Erstmals haben Wissenschaftler des nationalen Umweltamtes und internationalen Referenzlabors Großbritanniens (DEFRA) den Vogelgrippeerreger H5N1 in englischen Geflügelbeständen nachgewiesen. Seitdem der Fall am Samstag öffentlich wurde, hat die Behörde auch bestätigt, dass es sich um die asiatische Variante des Virus handelt, die im Januar bereits in Ungarn auftauchte. Sie kann in extrem seltenen Fällen Menschen infizieren und töten. Für die britische Bevölkerung gibt es jedoch keinen Anlass zur Besorgnis, teilte das DEFRA am Samstagabend mit.

Der betroffene Hof nahe Lowestoft, Suffolk, im Osten Englands, ist nach Angaben der EU-Kommission der größte Truthahn-Mastbetrieb Europas. Die britische Regierung habe bereits die international vereinbarten Schutzmaßnahmen in die Wege geleitet, um eine Ausbreitung der Tierseuche zu verhindern. Dazu gehörten unter anderem Quarantänezonen um den Betrieb, das Verbot von Tierausstellungen – und nicht zuletzt die Massennotschlachtung aller 160 000 Tiere auf dem betroffenen Hof.

Für die Bevölkerung besteht dagegen keine Gefahr. Das DEFRA wies auch nach der Bestätigung des H5N1-Verdachts darauf hin, dass es sich bei der Vogelgrippe nach wie vor um eine Vogelkrankheit handele. "Sie kann nur selten und mit größter Schwierigkeit auf den Menschen übergehen." Dies erfordere einen extrem engen Kontakt mit erkrankten Vögeln, unter anderem mit deren Exkrementen. Vorsorglich bekommen mehrere Dutzend Arbeiter der Farm, die unmittelbaren Kontakt mit dem Geflügel hatten, jetzt Medikamente.

Für die britische Geflügelwirtschaft ist das kaum tröstlich. "Alle Geflügelbauern sind vollkommen unter Schock, denn wir hatten nicht die leiseste Ahnung, dass der Erreger plötzlich in England auftaucht", sagte der Vorsitzende des britischen Geflügelzüchterverbandes Charles Bourns der Nachrichtenagentur Reuters . Von den 160.000 Truthähnen des Hofs sind bislang 2.500 Tiere gestorben, die restlichen müssen nun geschlachtet werden. Noch ist der Ausbruch auf einen der 22 Ställe innerhalb des Betriebs begrenzt.

In der Europäischen Union wurde der erste H5N1-Fall in diesem Jahr vor eineinhalb Wochen bei Gänsen in Ungarn nachgewiesen, offenbar steht den europäischen Ländern eine neue Auseinandersetzung mit dem Problem bevor. Andernorts würde man sich über das bislang bescheidene Ausmaß des Ausbruchs allerdings freuen: In Japan gab das Landwirtschaftsministerium am Samstag zudem den vierten H5N1-Ausbruch in dem Land in diesem Jahr bekannt. Indonesien kämpft seit Monaten mit einer neuen schweren Vogelgrippeepidemie, die allein in diesem Jahr 5 Menschleben forderte.

Indonesien gilt als das am schwersten betroffene Land weltweit. Insgesamt sind an der Vogelgrippe-Variante H5N1 seit 2003 mindestens 270 Menschen erkrankt, 164 von ihnen starben - 63 davon in Indonesien und fast alle in Asien, das immer wieder mit schwersten Ausbrüchen zu kämpfen hat. Auch in Afrika ist das Virus seit dem vergangenen Winter etabliert, dort fürchten Experten eine ähnliche Entwicklung wie auf dem asiatischen Kontinent. 200 Millionen Vögel verendeten an der aggressiven Form der Vogelgrippe oder wurden vorsorglich getötet.

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