Als Google, der wertvollste Internetkonzern der Welt, vor einigen Monaten das Video-Portal YouTube für 1,65 Milliarden Dollar in Aktien übernahm, gab es zwei große Fragen. Werden die traditionellen Medienkonzerne klagen, weil ohne ihre Zustimmung urheberrechtlich geschützte Fernsehserien und Filmsequenzen im Internet via YouTube kursieren? Oder wird es ein Geschäftsmodell geben, an dem die Medienkonzerne so umfassend beteiligt werden, dass sie die Online-Plattform als neuen Vertriebskanal annehmen?

Nun häufen sich die Signale, dass die Debatte zwischen den Managern der beteiligten Unternehmen an Schärfe zunimmt und eine juristische Auseinandersetzung näher rückt. Obwohl das eigentlich in niemandes Interesse liegt.

- Viacom verlangte vor zehn Tagen, dass YouTube rund 100.000 Videos sperrt. Es handelte sich um tatsächliche und vermeintliche Raubkopien von Sendungen des Musik- und Show-Senders M-TV, des Kindersenders Nickelodeon und des TV-Kanals Comedy Central.

- Am Montag erhoben die Medienkonzerne Newscorp., Viacom, Disney und Time Warner öffentlich den Vorwurf, die Suchmaschine Google nehme Anzeigen von Internetfirmen an, die für illegale Film-Tauschbörsen und Film-Datenbanken werben würden.

Beide Ereignisse zusammen zeigen zum einen, dass es schlechter denn je um den Versuch von Google steht, mit Videos im Internet auf legale Weise Geld zu verdienen. Zum anderen erhellen sie auch einige Gründe dafür.

Google und YouTube können bisher nicht kontrollieren, was die 65.000 Videos beinhalten, die täglich zu dem Angebot der Video-Plattform neu hinzugefügt werden. Denn das erledigen die Benutzer der Plattform. Zwar geben sie den Filmsequenzen durch einige Stichworte so etwas wie eine Inhaltsangabe mit. Doch diese ist mehr als dürftig. Das zeigte schon die Beschwerde von Viacom. Unter den beanstandeten Videos waren viele, die nichts mit den TV-Serien des Medienkonzerns zu tun hatten. Viacom wollte einfach alle Videos entfernen lassen, die mit bestimmten Stichworten gekennzeichnet waren.

Was fehlt, ist eine automatische Erfassung der Videos, ein präziser Katalog mit eindeutigen Stichworten. Dazu ein Computerprogramm, dass so ausgeklügelt ist, dass es bei gleichen Stichworten trotzdem zwischen Videos unterscheidet und sie unterschiedlich bewertet. Das ist nicht nur notwendig, um Raubkopien von selbst gemachten Videos zu trennen. Es ist auch eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass sich Werbungtreibende auf die Video-Plattform einlassen.

Man muss sich einmal vorstellen, was es für den Hersteller von Mars-Schokoriegeln bedeuten würde, wenn ein Video mit den Stichworten Mars oder "Schokolade" beschrieben würde, sich dahinter aber ein Sketch um brutales Übergewicht versteckte. Vielleicht genügte auch schon ein Filmbeitrag über die schottische Marotte, Mars -Riegel zu frittieren, um das Image des Herstellers zu beschädigen. Das Risiko, mit seiner Werbung bei YouTube im falschen Umfeld zu landen, ist für die großen Marken dieser Welt derzeit immens.

Das hat nicht zuletzt mit der Größe des Angebots zu tun. Doch bislang dachten viele, Google würde schon damit fertig. Schließlich haben seine Gründer die beste Suchmaschine im Internet entwickelt. Sie sind also Spezialisten auf dem Gebiet, unglaubliche Datenberge zu erfassen und zu sortieren.

Doch nun werfen die Medienkonzerne dem Internet-Konzern vor, Raubkopierer nicht einmal bei Text-basierten Anzeigen, also dem Ursprungsgeschäft, ausschalten zu können.

In dem derzeit untersuchten Fall geht es um zwei inzwischen stillgelegte, illegale Film-Bibliotheken, deren Betreiber bei Google geworben hatten. Nach Angaben der Ermittlungsbehörden aus New York wurden die Anzeigen der Raubkopierer aktiviert, wenn folgende Stichworte in die Suchmaschine eingegeben wurden: "bootleg movie download", "pirated" und "download harry potter".

Das Problem dabei ist, dass die gleichen Stichworte auch in legalen Angeboten vorkommen können. Oder in einem wissenschaftlichen Artikel über Raubkopierer. Oder in einem Aufklärungstext der Filmindustrie über Urheberrechtsschutz.

Bei Google hieß es zwar zuletzt, man arbeite an einer vielversprechenden Lösung für die Video-Plattform. Aber wenn diese nicht besser ist als das, was jetzt schon die Textsuche leistet, dann könnte sich am Ende bewahrheiten, was Bob Garfield kürzlich in dem amerikanischen Magazin Wired schrieb: 100 Millionen Nutzer von YouTube können nicht irren. Die Video-Plattform wird ein dauerhafter Erfolg werden. Doch ihre Popularität könnte am Ende nutzlos sein. Zumindest aus Sicht der Werbungtreibenden.

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