Wer als interessierter Leser die Tagespresse und Nachrichtenportale im Internet verfolgt, bekommt ganz schnell den Eindruck, Deutschland sei ein Land der Statistiken. Was gibt es da nicht alles an Wichtigem zu erfahren. Etwa, welche Steuern Bundesfinanzminister Peer Steinbrück das meiste Geld in die Kasse spülen, wie viele Tonnen Kamellen in den Karnevalshochburgen Mainz, Köln und Düsseldorf unters Volk gebracht wurden oder in welchen deutschen Städten die attraktivsten Menschen wohnen und ein kleiner Flirt besonders leicht fällt.

In der vergangenen Woche allerdings hat die Deutsche Rentenversicherung nun ein paar wirklich aufschlussreiche Zahlen veröffentlicht, die interessante Einblicke erlauben. Die Daten zeigen, dass schon jetzt 170.000 Deutsche ihre Rente im Ausland beziehen – Tendenz steigend.

In der allgemeinen Diskussion um Arbeitslosigkeit, Demografie und hohe Abgaben wird ja immer wieder den Jungen unterstellt, sie würden aus Deutschland fliehen. Aber offenbar machen es ihnen die Alten vor. Die Zahlen räumen auch mit dem Eindruck auf, die meisten Rentner genössen ihren Lebensabend in der Sonne, beispielsweise an den Festlandküsten Spaniens oder auf Mallorca, Fuerteventura und Gran Canaria. Tatsächlich gehen die meisten Überweisungen, nämlich rund ein Sechstel, in die USA, darauf folgen die Schweiz, Österreich und Frankreich. Dann erst kommt Spanien. Leider haben die Statistiker die Motive jener nicht ergründet, denen sie da Monat für Monat Geld überweisen. Vielleicht wäre das in der Zukunft eine lobenswerte Aufgabe. Einstweilen lässt sich nur spekulieren. Am besseren Klima im Ausland allein kann es nicht liegen, denn das haben unsere Nachbarländer nur begrenzt zu bieten, und auch die USA bestehen nicht nur aus Florida und Kalifornien.

Doch unabhängig von den Motiven: Folgen immer mehr Ruheständler dem Beispiel und genießen ihren Lebensabend jenseits der Landesgrenzen, wandert auch ihr Geld ins Ausland – Geld, das in Deutschland erwirtschaftet wurde, aber nicht mehr hierzulande ausgegeben wird. Es nützt dann der Konjunktur am neuen Wohnort. Wer weiß, ob nicht deshalb irgendwann der Staat all jenen Rentnern mit Abschlägen droht, die Deutschland den Rücken kehren?

Derzeit zumindest schützt sie in vielen Fällen das EU-Recht. Grundsätzlich gilt: Deutsche Staatsbürger, die ihren ständigen Wohnsitz innerhalb der Europas verlegen, erhalten ihre Rente vollständig. Dasselbe gilt für Länder, mit denen Deutschland ein zwischenstaatliches Abkommen geschlossen hat, zum Beispiel Japan, Israel und eben die USA.

In anderen Fällen kann es durchaus schon heute vorkommen, dass bei der Umrechnung der Rente in andere Währungen Abschläge gemacht werden. Zudem dauern Überweisungen ins Ausland erheblich länger. Rentner, die nicht mehr in Deutschland leben, haben ihr Geld also nicht mehr automatisch pünktlich zum Monatsende auf ihrem Konto. Und in allen Fällen gilt: Umtausch- und Überweisungsgebühren gehen grundsätzlich zu Lasten des Versicherten.