Im Zweikampf um den CSU-Vorsitz wächst der Druck auf Parteivize Horst Seehofer, auf eine Kandidatur zu verzichten. Der designierte bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein bekräftigte seine Präferenz für Wirtschaftsminister Erwin Huber. Als erster CSU-Politiker forderte der unterfränkische CSU-Vizebezirkschef Bernd Weiß Seehofer am Sonntag offen zum Verzicht auf. Huber warb erneut für seine Kandidatur. Die CSU brauche jetzt ganz besonders eine Integrationsfigur an der Spitze: "Das traue ich mir zu."

Beckstein wies im Tagesspiegel Vorwürfe Seehofers zurück, ihn bei der Besetzung der CSU-Führungsspitze übergehen zu wollen: "Es wurde niemand übergangen." Der bayerische Innenminister warnte gleichzeitig vor einem Zerwürfnis der Partei mit einem der beiden Kandidaten. Nach der Entscheidung werde der Unterlegene in der Führungsebene weiterhin eine wichtige Rolle zu spielen haben. Huber habe schon als CSU-Generalsekretär eine enge Bindung zur Partei gehabt, was von enormer Bedeutung sei. Außerdem kenne und schätze er die Arbeit Hubers, sagte Beckstein.

Seehofer ist an der CSU-Basis vor allem wegen der Medienberichte über eine Liebesaffäre des Bundesagrarministers in Berlin unter Druck geraten. Laut Bild am Sonntag verbrachte Seehofer an diesem Wochenende einen Kurzurlaub mit seiner Familie, um sich mit seiner Frau auszusöhnen. Wegen der Berichte hatte der konservative Kölner Kardinal Joachim Meisner in der vergangenen Woche Seehofers Eignung als CSU-Vorsitzender angezweifelt.

Huber bekräftigte, er wolle einen faire Auseinandersetzung mit Seehofer. "Von mir kriegt aber jeder etwas auf die Finger, wer sich innerhalb der CSU an einer Kampagne beteiligt", sagte er der Leipziger Volkszeitung . In der B.Z. am Sonntag hielt der Wirtschaftsminister seine Option auf einen Wechsel nach Berlin nach der Bundestagswahl 2009 aufrecht: "Das ist nahe liegend."

Der unterfränkische CSU-Bezirkschef Weiß warf Seehofer in der Bild am Sonntag vor, mit seinem ungeklärten Privatleben der CSU zu schaden. "Er stilisiert sich als die verfolgte Unschuldsfigur - dabei ist er der einzige in der Partei, der offen darüber spricht." Er spüre eine deutliche Mehrheit für Huber. Der Bayreuther Oberbürgermeister Michael Hohl sagte dem Blatt, der Rückhalt für Seehofer habe spürbar abgenommen.

Beim Politischen Aschermittwoch in Passau werden Huber und Seehofer erstmals seit Beginn des CSU-internen Wahlkampfs direkt aufeinander treffen. Huber will bei der Großveranstaltung in der Dreiländerhalle als niederbayerischer Bezirkschef ein Grußwort sprechen, Seehofer als Gast teilnehmen. Hauptredner ist zum voraussichtlich letzten Mal der scheidende CSU-Chef Edmund Stoiber. "Wir haben einen richtigen Anmeldeschub bekommen, weil viele Leute Stoiber noch einmal sehen wollen", sagte Generalsekretär Markus Söder. Stoiber wolle einen wertkonservativen Akzent setzen.

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