Der Klimawandel bewegt das Volk, die Medien und die Politiker. Alternative Energien profitieren vom neu erwachten Interesse – unter ihnen auch die Solarenergie. Sie wird in vielen Ländern mit ähnlichen Programmen wie in Deutschland finanziell unterstützt, zum Beispiel in Italien, Spanien, Frankreich, Südkorea und China. Auch der US-Bundesstaat Kalifornien fördert, nur ein Beispiel, mit mehreren Milliarden Dollar Solaranlagen auf den Dächern öffentlicher und privater Gebäude.

Aus der Solarenergie, dem einstigen Nischenmarkt, wird dadurch ein globales Geschäft: eine Entwicklung, die auch an den Finanzmärkten mit großem Interesse verfolgt wird.

Die deutschen Unternehmen gelten in der Photovoltaik als führend. Sie haben also glänzende Erfolgsaussichten, könnte man meinen. Tatsächlich haben einige Solarfirmen ihre Prognosen gerade übertroffen oder bestätigen sie zumindest, so Solarworld und Q-Cells . Doch andere verbreiten schlechte Nachrichten. Conergy beispielsweise wurde durch verschobene Projekte gezwungen, seinen Ausblick zurückzuschrauben, und Ersol dämpfte die Erwartungen der Anleger, nachdem bestellte Wafer - Wafer sind Siliziumscheiben, aus denen Solarzellen gefertigt werden - zu spät geliefert wurden. Sind Solaraktien nun ein aussichtsreiches Investment oder nicht?

In den vergangenen Jahren war die deutsche Solarbranche sehr erfolgreich. Sie ist rasant gewachsen, Unternehmen wie Q-Cells und Solarworld stiegen weltweit zur Spitze auf. Doch in diesem Tempo wird es kaum weitergehen. Frank Asbeck, Vorstand und Gründer von Solarworld, spricht gar von einer bevorstehenden Marktbereinigung, trotz der weltweit wachsenden Nachfrage.

Das Problem ist: Die Branche wächst zu schnell. Zwar ist die Auftragslage derzeit gut, und langfristig positive Prognosen – die Bank Sarasin etwa schätzt das jährliche Wachstum des Marktes bis ins Jahr 2020 auf jährlich etwa 20 Prozent – verführen die Unternehmen auf der ganzen Welt dazu, ihre Kapazitäten kräftig aufzustocken. Auch hat die Branche schon vor einiger Zeit begonnen, selbst Silizium zu produzieren, um nicht mehr von den Abfällen der Chipindustrie abhängig zu sein. Bis spätestens 2008 soll der Mangel an hochreinem Silizium behoben sein – Rohstoffknappheit ist dann kein Problem mehr. Doch Skeptiker befürchten, die Nachfrage werde nicht im gleichen Ausmaß wachsen wie das Angebot. Behalten sie recht, droht ein Angebotsüberhang, der die Preise ruinieren könnte – zuerst auf dem Markt für Solarzellen, dann auch auf dem Siliziummarkt.

Zudem locken die neu entstehenden, lukrativen Märkte Wettbewerber an. In den USA und in Asien entstehen schlagkräftige Unternehmen, die für die deutsche Solarbranche eine echte Konkurrenz sein könnten, warnen Christopher Schweiger und Carsten Frede von der Consultingfirma Ernst & Young. Unter den potenziellen Wettbewerbern sind große Energiekonzerne, die mit ihren internationalen Aktivitäten und dicken Kapitalpolstern über eine besonders gute Ausgangsposition verfügen. Einen zusätzlichen Vorteil haben die chinesischen Konkurrenten: Ihre Produktionskosten sind besonders niedrig, und eine starke Inlandsnachfrage stützt sie außerdem.