Die Amerikaner schicken mehr Truppen in den Irak, während die Briten mit dem Teilabzug beginnen . Das scheint nicht gerade dafür zu sprechen, dass die beiden Alliierten an einem Strang ziehen. Doch wäre es falsch, daraus nun auf einen schwelenden Zwist zwischen den beiden Ländern zu schließen.

Gewiss würden die USA und Großbritannien lieber heute als morgen aus dem Irak abziehen. Doch wissen Amerikaner wie Briten, dass ein Abzug nur möglich wäre, wenn man bereit wäre, dem blutigen Chaos, das dem Rückzug unweigerlich folgen würde, strategisch einen Vorteil abzugewinnen. Etwa den, dass der Blick der Welt auf die Spaltung des Islams selbst gelenkt würde, den Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten, der auch anderswo um sich greift.

Ein Abzug aus dem Irak wird erst dann möglich sein, wenn dort einigermaßen stabile Verhältnisse herrschen. Wozu eine handlungsfähige Regierung in Bagdad gehört. Gleichermaßen interessiert daran sind die Alliierten wie die arabischen Nachbarn des Iraks. Im Süden hat sich aus der Sicht Londons die Situation derart verbessert, dass man nun beginnen kann, die militärische Präsenz herunterzufahren - ohne dafür von Washington der Illoyalität bezichtigt werden zu können.

In Basra erwies sich "Operation Sindbad" als relativ erfolgreich, eine Strategie, die britische Einheiten und irakische Truppen seit dem Frühjahr vergangenen Jahres in die Tat umsetzten. Sie nahmen sich ein Viertel von Basra nach dem anderen vor, säuberten es von kriminellen Elementen, Milizen und korrupter Polizei und blieben danach, um den Stadtteil zu sichern.

Zugleich wurden Reparaturen von Schulen und Wasserleitungen ausgeführt, um der Bevölkerung ein Gefühl wirklicher Verbesserung zu geben.

Auf die gleiche Strategie setzen nun auch die Amerikaner in Bagdad und dem Sunnitendreick. Wenn auch spät, mit immer noch zu wenig Truppen und unter unvergleichlich schwierigeren Bedingungen. Was die Erfolgsaussichten nicht allzu rosig aussehen lässt.