"Jetzt wird man sehen, wer weniger Probleme hat - Real oder wir." So fasst Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender von Bayern München, die Losung der Partie zusammen. Der Klassiker wird zum Krisengipfel - ausgerechnet gegen den ebenfalls wankenden Fußball-Giganten Real Madrid wollen die Bayern einen Befreiungsschlag schaffen. Mit einem Sieg könnte die Mannschaft Selbstvertrauen für die Bundesliga tanken und in der Champions League die Titelchance wahren. Wie auf Knopfdruck soll am Dienstag (20.45 Uhr) im Bernabeu-Stadion beim taumelnden deutschen Fußball-Meister eine Leistungsexplosion erfolgen. "Es muss einmal Klick machen, dann läuft es wieder", glaubt Nationalstürmer Lukas Podolski.

Dass es so leicht sein wird, glaubt Teamkollege Oliver Kahn nicht. Ferner mahnt der Torwart seine Vorderleute: "Wenn ich da nicht leidenschaftlich bin und alles aus mir heraushole, bin ich hier fehl am Platze." Nach drei Niederlagen in vier Partien der Rückrunde schwinden die Chancen auf den Titelgewinn. Verstärkt wird die Krise durch das Ausscheiden im DFB-Pokel gegen Aachen im Dezember.

Einer drohenden sportlichen Talfahrt sollte mit der Einstellung von Ottmar Hitzfeld als neuen Trainer Einhalt geboten werden. Bislang jedoch blieb der erhoffte Erfolg aus. In der Champions League haben die Münchener nun mit einem Sieg gegen Madrid die Möglichkeit, einen Weg aus der Krise zu finden.

Ähnliche Probleme hat Real Madrid, die mit dem vierten Tabellenplatz in der Primera División, hinter ihren Erwartungen zurückliegen. Fabio Capello übernahm die ehemals "Galaktische" genannte Mannschaft zu Beginn der Saison. Auch hier konnte der neue Trainer bislang nicht für den gewünschten Erfolg sorgen. Gerade im heimischen Bernabeu-Stadion, in dem auch die Champions League gegen München ausgetragen wird, spielen die Madrilenen zu häufig erfolglos. Torwart Iker Casillas glaubt an ein mentales Problem: "Im Bernabeu befinden wir uns in einem psychologischen Krieg."

Während der FC Bayern zurzeit noch vergleichsweise ruhig mit der unbefriedigenden sportlichen Situation umgeht, scheinen die Nerven bei den Spaniern gespannt. Am Montag löste ein Bericht über einen angeblichen Rücktritt von Real-Trainer Fabio Capello großen Wirbel aus. Reals Vorstandssprecher Miguel Ángel Arroyo dementierte zwar am Vorabend der Partie einen Rundfunkbericht, wonach der italienische Coach sein Amt niedergelegt haben soll. Dem Club sei von einem Rücktritt nichts bekannt. Der Sprecher wollte aber nicht bestätigen, dass Capello am kommenden Wochenende in der spanischen Liga noch auf der Trainerbank sitzen wird.

Dass München in Madrid Erfolg haben könnte, liegt nicht ausschließlich an der angespannten Lage der Vereinsführung. Die Spanier müssen auf wichtige Spieler verzichten. Neben Roberto Carlos, fehlen Diarra und Raul Bravo. Bayern München kann fast aus dem Vollen schöpfen. Ottmar Hitzfeld plant, den wieder genesenen Owen Hargreaves von Beginn an spielen zu lassen. Im Sturm wird Lukas Podolksi eine Chance erhalten.

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