Bis zu 10.000 Stellen könnten wegfallen, sagte Villepin. Damit wäre nahezu jede fünfte Stelle bei dem Flugzeugbauer betroffen. Villepin sagte am Dienstag, er habe sich bei Airbus-Chef Louis Gallois gegen Entlassungen bei Airbus eingesetzt. Sollten Jobs abgebaut werden, müsse das sozialverträglich geschehen.

Der Airbus-Mutterkonzern EADS wollte Villepins Angaben nicht kommentieren und verwies darauf, dass der Verwaltungsrat des Konzerns sich noch äußern werde. "Da weiß er vielleicht mehr als ich", sagte der deutsche EADS-Co-Chef Tom Enders am Dienstag am Rande einer Veranstaltung in Hamburg zu Villepins Äußerungen. "Es sind noch keine Entscheidungen getroffen." Er sei zuversichtlich, dass in den kommenden Tagen gute Gespräche geführt würden. Viele Befürchtungen und "Horrorszenarien" seien überzogen. Spätestens zur Bilanzkonferenz Anfang März muss die Konzernspitze aber wohl wissen, was genau sie will.

Frankreichs Präsident Jacques Chirac und Bundeskanzlerin Angela Merkel wollen die Airbus-Krise bei einem Treffen am Freitag in der Nähe von Berlin auf Schloss Meseberg erörtern, sagte Villepin. "Das ist eine Frage, die wir auf höchster Ebene angehen wollen", fügte er an. Er habe Merkel angerufen und das französische Bestreben übermittelt, "eine für alle Seiten akzeptable Lösung zu finden." In dem weitgehend deutsch-französischen Unternehmen "muss eine gerechte Verteilung zwischen den einen und den anderen gefunden werden", sagte Villepin.

Die Arbeitsplatzstreichung droht Standorten in Frankreich wie in Deutschland. Hierzulande geht es nach Angaben des Betriebsrats um 5.400 Arbeitsplätze bei Airbus selbst. Hinzu kommen weitere 5.400 Stellen bei Zulieferunternehmen. In Deutschland beschäftigt Airbus rund 23.000 Mitarbeiter. Insgesamt sind es mehr als 55.000 Beschäftigte. Die Gewerkschaften befürchten die Trennung von ganzen Werken.

Allerdings werden die einzelnen Standorte wohl sehr unterschiedlich betroffen sein. So berichtet Bild am Dienstag, durch das Sparprogramm sollten in Hamburg weniger als 1000 der rund 12.000 Arbeitsplätze entfallen. Die beiden Werke Nordenham und Varel mit zusammen 3500 Mitarbeitern dagegen sollten verkauft werden. Dies allerdings muss noch nicht heißen, dass dort auch Jobs wegfallen. Denn die Metallteile, die dort produziert werden, muss Airbus bereitstellen, solange Flugzeuge, die sie benötigen, im Verkehr sind. Das wird voraussichtlich noch 20 Jahre so bleiben. Fraglicher ist, ob ein möglicher Käufer sich an Abmachungen zwischen Airbus-Management und Belegschaft halten wird, die Arbeitszeiten und Beschäftigungsgarantie betreffen. Bislang gilt, dass bis 2012 kein Mitarbeiter in den Werken gekündigt werden soll.

Weiter berichtet Bild , die Arbeitszeit in deutschen Werken solle von 37,5 auf 40 Stunden verlängert werden. In Frankreich soll das Werk Méaulte mit 1200 Mitarbeitern verkauft werden, vom Werk Saint Nazaire (2200 Beschäftigte) wolle sich Airbus teilweise trennen. Unsicherheiten über die Zukunft gibt es auch an den Standorten Nantes, Illescas und Buxtehude. Ein Airbus-Sprecher sagte allerdings, Berichte zu einzelnen Standorten seien "reine Spekulation, das Board hat noch keine Entscheidung getroffen".