Im Unionsstreit über die Familienpolitik gewinnt Ministerin Ursula von der Leyen (CDU) an Rückhalt. Unter anderen gaben ihr CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla und die CDU- Ministerpräsidenten von Hessen und Niedersachsen, Roland Koch und Christian Wulff, Rückendeckung. Andere Unionspolitiker warnten am Samstag dagegen erneut vor der Aufgabe des bisherigen Familienbilds der Union und dem Verlust konservativer Wähler. SPD-Generalsekretär Hubertus Heil machte Druck für eine Vereinbarung der großen Koalition über den Krippen-Ausbau noch in diesem Jahr.

Von der Leyen will die Zahl der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren bis 2013 auf rund 750 000 verdreifachen. Dann könnten bundesweit etwa 35 Prozent dieser Mädchen und Jungen in Kitas oder von Tagesmüttern betreut werden. Die Zusatzkosten beziffert sie auf jährlich drei Milliarden Euro.

Pofalla unterstützte die Ministerin in der Welt am Sonntag : "Nur mit mehr Kinderbetreuungsplätzen schaffen wir auch wirkliche Wahlfreiheit" für Eltern zwischen Berufstätigkeit trotz Kindern und Erziehung zu Hause. "Erstmals seit Jahren trauen uns die Wähler in der Familienpolitik wieder mehr zu als der SPD." Koch sagte in der Welt : "Die CDU muss es schaffen, emotionsfrei Gleichberechtigung in der Wertigkeit dieser beiden Optionen zu schaffen." Von der Leyens Weg sei "die einzige Chance, die Identität der Union als einer Partei zu wahren, die den im besten Sinne konservativen Wert der Familie hochhält".

Wulff nannte die Position der Union "unehrlich", dass Männer und Frauen selber entscheiden sollten, wie sie Familie und Beruf organisieren. "Viele Mütter hatten ja gar nicht die Wahlfreiheit", sagte er im Deutschlandfunk. Ein Ausbau von Betreuungsplätzen diffamiere Mütter, die zur Kindererziehung zu Hause blieben, nicht.

Hessens CDU-Sozialministerin Silke Lautenschläger sagte der dpa, Ziel sei es, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu gewährleisten. Der nordrhein-westfälische CDU-Arbeitsminister Karl- Josef Laumann wies in der Neuen Westfälischen darauf hin, dass 63 Prozent der Mütter berufstätig seien. Auch Berlins CDU- Fraktionschef Friedbert Pflüger unterstützte von der Leyen bei Spiegel online . Die ehemalige Familienministerin Rita Süssmuth (CDU) forderte Frauen in einem dpa-Gespräch auf, sich "viel geschlossener ... hinter die entsprechenden Initiativen" zu stellen.

Bayerns designierter Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) äußerte sich im Tagesspiegel am Sonntag zwar grundsätzlich zustimmend. Es dürfe aber nicht nur darum gehen, "Kinder möglichst schnell nach der Geburt einer sozialen Einrichtung anzuvertrauen". Der Kandidat für den CSU-Vorsitz, Erwin Huber, sagte der Leipziger Volkszeitung , im Familienbild der Union müsse "die berufstätige Frau ebenso ihren Platz haben wie auch die Frau, die sich für Familie und Kinder entscheidet".