Ein Göttinger Schwimmbad an einem Montagnachmittag. In knapp vier Metern Tiefe werden zwei Metalltore aufgestellt, die wie Papierkörbe aussehen. Heute wollen die Niedersachsen, die 2001 und 2003 Hochschulmeister im Unterwasserrugby geworden sind, einen neuen Spielball testen. Er ist rot und aus Plastik, etwa in der Größe eines Handballs. Damit er während des Spiels unter Wasser nicht nach oben steigt, ist er mit einer Salzwasserlösung gefüllt.

Michael Bahlke taucht seit 26 Jahren regelmäßig auf den Beckenboden, "weil das Spiel Spaß macht und weil sich im Laufe der Zeit gleichsam eine 'verschworene Gemeinschaft' von Verrückten zusammengefunden hat, die ihren Spleen gemeinsam kultiviert haben. Besonders wichtig war dabei, dass immer jeder mitmachen konnte und ungeachtet seiner körperlichen Voraussetzungen seinen Platz im Team finden konnte."

In Göttingen baut sich gerade eine neue Mannschaft auf. Vom Anfänger bis zum Nationalspieler sind alle Leistungsniveaus vertreten. Der Jüngste ist 20, der Älteste in den 50ern. Studenten spielen mit Polizisten. Und auch die Statur spielt keine Rolle, von S bis XXL ist alles dabei. Männer und Frauen bilden in eine Mannschaft. "Frauen haben oft den Vorteil, dass sie agiler sind, beziehungsweise mehr mit Köpfchen spielen", meint Kerrin. Männer würden dagegen eher auf Muskeln und Kraft setzen. Auch Trainer Hecke Schrobbsdorf hält die körperliche Stärke für nachrangig: "Man kann bei diesem Sport mit Willen eine ganze Menge erreichen."

Unterwasser-Rugby fristet ein Dasein als Randsportart, weil es so zuschauerunfreundlich ist. Vom Beckenrand ist kaum zu erahnen, was unter Wasser so alles abgeht. Hin und wieder taucht kurz jemand auf, holt Luft und schnellt sofort wieder nach unten. Die raffinierten Spielzüge bleiben dem Zuschauer ebenso verborgen wie die Versuche des Torwarts, mit seinem Körper das Korb-Tor zu versperren oder die hartnäckigen Unterwasser-Kabbeleien von Abwehrspielern und Stürmern um den Spielball.

Auf dem Feld stehen zweimal sechs Spieler. Dauer einer Partie: zweimal 15 Minuten mit etwa fünf Minuten Halbzeitpause. Es darf stets nur der ballführende Spieler angegriffen werden. Wenn dieser kraftvoll zum Unterwassersprint ansetzt, erinnert das stark an Christopher Reeve als fleischgewordener Comicheld mit dem großen "S" auf der Brust: Der Arm mit Ball wird in bester Superman-Manier nach vorne gestreckt, der andere Arm liegt eng am Körper an - zumindest solange, bis der Gegner versucht, an den Ball zu kommen. Dann bildet sich blitzschnell ein großes Menschen-Knäuel und man muss aufpassen, nicht von irgendwelchen Flossen erschlagen zu werden. Manch einer trägt daher einen Mundschutz, wie man ihn von Boxern kennt.