Als Anfang der Woche bekannt wurde, Airbus würde 10.000 Arbeitsplätze abbauen müssen, war die Aufregung groß. Vor allem an den deutschen Standorten fürchteten viele eine Sanierung, die einseitig zu ihren Lasten ginge, während die französischen Airbus-Arbeiter das geringere Opfer bringen würden. Nun haben sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Jacques Chirac verständigt: Chancen und Lasten müssten zwischen beiden Ländern gleich verteilt werden, sagte Merkel am Freitag beim deutsch-französischen Regierungstreffen in Merseburg bei Berlin.

Chirac pflichtete ihr bei: Man sei absolut entschlossen, auf ein Gleichgewicht bei sozialen und technologischen Fragen zu achten, sagte er. Zudem dürfe nicht sein, dass Standorte geschlossen würden, für die es keine Kompensation gebe. "Es darf keine harten Entlassungen geben", forderte das französische Staatsoberhaupt.

Beide Seiten geben an, auf eine Entscheidung der Unternehmensführung zu vertrauen, welche die zugesicherte Balance sicherstellen soll. Die Politik könne dem Management aber keine Lösung aufzwingen, sagte Chirac. Merkel betonte, die Wettbewerbsfähigkeit von Airbus habe bei der Umstrukturierung Vorrang. Ein Zwist zwischen Frankreich und Deutschland über die Sanierung wäre das Schlechteste, sagte die CDU-Politikerin. Gleichzeitig gehe man davon aus, dass bei der Restrukturierung "die Auswirkungen auf Arbeitsplätze, Technologie und das Gleichgewicht der Kompetenzen in den betroffenen Staaten berücksichtigt" werde.

Bislang waren die Verhandlungen an der Frage gescheitert, wie die unterschiedlichen technologischen Kompetenzen, die zur Airbus-Fertigung nötig sind, auf die unterschiedlichen Standorte des Konzerns verteilt werden sollten. Berlin will sich vor allem einen Anteil am neuen Langstrecken-Airbus A350 sichern, denn der dort geplante Einsatz neuer Werkstoffe gilt als Zukunftstechnologie.

Zudem dreht sich die Debatte um eine faire und ausgewogene Verteilung des geplanten Arbeitsplatzabbaus. Dem Vernehmen nach stehen die deutschen Airbus-Standorte Nordenham und Varel zum Verkauf, wo knapp 3.600 Beschäftigte arbeiten. Insgesamt sind in Deutschland 23.000 Menschen bei Airbus beschäftigt.

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