"Sie haben die Schnauze voll." So begründete ein Gewerkschaftssprecher, warum die Airbus-Mitarbeiter in Nordenham, Varel und Laupheim am Mittwochnachmittag einfach nach Hause gingen. Wenn die Einschätzung des in den achtziger Jahren so erfolgreichen Automobilmanagers Lee Iacocca stimmt, dass Management nichts anderes ist "als die Kunst, andere Menschen zu motivieren", dann hat die Führung vom Mutterkonzern EADS vollkommen versagt.

Seit Oktober haben die 55.000 Beschäftigten des europäischen Konzerns Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien um ihren Arbeitsplatz gebangt. Die Geheimnistuerei um das Sanierungsprogramm Power8 wurde zur Posse, weil fast täglich neue Gerüchte in der Öffentlichkeit lanciert wurden. Mal waren es Topmanager, mal Politiker, dann wieder Analysten, die für Unruhe sorgten.

Wie nahe dies den Arbeitnehmern ging, zeigt das Beispiel Varel. In dem norddeutschen Standort mit 1300 Mitarbeitern war die Stimmung nach neuen Gerüchten über einen Werksverkauf am Montagmorgen so angespannt, dass sich die gesamte Frühschicht zum Büro des Werkleiters aufmachte. Sie wollten endlich wissen, ob sie morgen noch das weiße Airbus-Symbol auf ihrer Jacke tragen oder schon das eines neuen Eigentümers. Die Hinhaltetaktik des Unternehmens schien unerträglich, zumal der politische Einfluss das Gezerre um Standorte und Arbeitsplätze nur noch verschärfte.

Das ist nun endlich vorbei. Hat sich die Wartezeit für die deutschen Beschäftigten gelohnt?

Schon vor Wochen hatte der Betriebsrat ausgerechnet, dass 5100 Arbeitsplätze bedroht sind. Den Abbau von 3700 Stellen, den Airbus nun angekündigt hat, könnte man also als Erfolg werten. Aber darauf lassen sich die Arbeitnehmervertreter nicht ein. Sie hatten die Szenarien benutzt, um die Öffentlichkeit zu mobilisieren, jetzt kündigt Deutschlands Gesamtbetriebsratvorsitzender Rüdiger Lütjen an: "Wir kämpfen um jeden Arbeitsplatz." Die beste Waffe der Arbeitnehmer ist im Gegensatz zu früheren Entlassungswellen die Arbeit. Denn das Unternehmen kann sich längere Produktionsausfälle als in dieser Woche kaum leisten. Mit Lieferverzögerungen würden weitere Kosten aufgetürmt.

Doch ebenso wichtig wie die Frage des Stellenabbaus ist jene nach der Zukunftsfähigkeit der deutschen Betriebsstätten. Und in diesem Punkt hat die deutsche Interessenpolitik offenbar Erfolg gehabt.