Die Bundesregierung will Bürokratie abbauen. Doch bevor es dazu kommt, muss erst einmal gezählt werden. Das Statistische Bundesamt beispielsweise hat zusammengetragen, wie viele verschiedene Informationen deutsche Unternehmen den Behörden mitteilen müssen. Es kam auf 10.600.

Von der verpflichtenden Niederschrift eines Ausbildungsvertrags über die Meldepflicht bei Personenbeförderungen bis zur Steuererklärung ist alles dabei, was dem Unternehmer ungeliebte Arbeit verschafft - und teilweise enorme Kosten verursacht. Letzteres jedenfalls fürchten viele Fachleute.

Wissen tun sie es nicht. Noch nie hat jemand gemessen, wie teuer es die Wirtschaft kommt, eine dieser sogenannten „Informationspflichten“ zu erfüllen. Weshalb das Statistische Bundesamt nun bis zum Sommer im Auftrag der Bundesregierung erstmals eine solche Kostenmessung vornehmen soll.

Seit Jahresbeginn sind daher überall im Land Messtrupps unterwegs. Sie befragen Unternehmen, was sie für einzelne Arbeitsschritte aufwenden müssen und rechnen die Kosten dann hoch. Beispiel Ausbildungsvertrag: Um den aufzusetzen, alle Daten zu erfassen, ihn zu ettikettieren, um ihn bei der IHK zu hinterlegen und schließlich eine neue Personalakte anzulegen, arbeitet ein Mitarbeiter diesen Befragungen zufolge 35 Minuten lang - für den Staat, statt für sein Unternehmen.

Das klingt nach wenig, wird aber - zumindest volkswirtschaftlich betrachtet - furchtbar viel, wenn man bedenkt, dass im Jahr mehr als eine halbe Million Ausbildungsverträge geschlossen werden. Diese Zahl multipliziert mit einem üblichen Stundenlohn für den Sachbearbeiter, und man ist schnell bei dreistelligen Millionenwerten.

Mit derartigen Summen argumentiert dann Staatssekretär Bernhard Beus, der im Kanzleramt die "Initiative Bürokratieabbau" koordiniert, welche der Kanzlerin Angela Merkel bekanntermaßen sehr am Herzen liegt. "Es ist das erste Mal, dass es nicht mehr um gefühlte Bürokratie, sondern um gemessene geht", sagt er und spricht von einem Mentalitätswechsel, der in der Beamtenschaft einsetzen werde, wenn die erst wisse, welche Kosten sie verursacht.