So viel wie war in der deutschen Politik schon lange nicht mehr von Familie und Kindern die Rede. Fast hat man den Eindruck, es gäbe im Moment keine wichtigere Aufgabe, als für eine bessere Kinderbetreuung und mehr Wahlmöglichkeiten für berufstätige Mütter zu sorgen - und damit indirekt auch für mehr Nachwuchs.

Erst schlug CDU-Familienministerin Ursula von der Leyen vor, die Zahl der Krippenplätze bis 2013 zu verdreifachen, damit künftig jedes dritte Kind im Alter von ein bis drei Jahren öffentlich betreut werden kann. An diesem Montag nun legte die SPD nach. Sie möchte 6,4 Milliarden Euro investieren, mehr als doppelt so viel wie von der Leyen, und damit noch mehr Krippenplätze schaffen. Außerdem verspricht sie einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz ab dem ersten Lebensjahr, sie will die Qualität der Kinderbetreuung verbessern sowie die Eltern von über dreijährigen Kindern von den Kindergartenbeiträgen befreien. Und dies alles schrittweise sogar schon bis zum Jahr 2010. Ein familienpolitisches Wunschkonzert sozusagen.

Damit das sozialdemokratische Superangebot im Streit um die Meinungsführerschaft in der Familienpolitik gegen die zierliche CDU-Ministerin das nötige Gewicht erhält, präsentierte es die SPD auf ihrer Pressekonferenz mit einem ein ganz großen Aufgebot. Nicht nur der Vorsitzende Kurt Beck erläuterte das Konzept, er brachte auch noch Finanzminister Peer Steinbrück, Fraktionschef Peter Struck, die Bonner Oberbürgermeisterin und stellvertretende SPD-Vorsitzende Bärbel Dieckmann sowie die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Nicolette Kressel mit. Und auch wenn Beck betonte, seine Partei arbeite schon seit 1998 an der Verbesserung der Angebote zur Kinderbetreuung und die Vorschläge der Union seien allenfalls "prinzipiell hilfreich", konnte die fast komplett versammelte SPD-Spitze doch nicht den Eindruck vermeiden, sie werde vom christdemokratischen Koalitionspartner getrieben.

Immerhin, es ist etwas in Bewegung geraten. Offenbar haben beide Parteien erkannt, dass es um ein wichtiges Zukunftsthema geht, das viele Wähler im Lande beschäftigt. Deshalb möchte die SPD auch verhindern, dass sich die CDU nachhaltig auf diesem politischen Terrain profiliert, das die SPD bislang für sich reklamiert hatte. Und daher versucht sie nun, den Koalitionspartner familienpolitisch noch zu übertrumpfen.

Für den SPD-Chef zumindest ist eine bessere Kinderbetreuung derzeit "nicht nur die familienpolitische Aufgabe Nummer eins, sondern auch eine Gerechtigkeitsfrage". Nur mit einem Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz könne von einer tatsächlichen Wahlfreiheit von Frauen zwischen Familie und Beruf die Rede sein, betonte Beck.