Man kann sich auf nichts mehr verlassen. Nicht einmal mehr auf die Jahreszeiten, weder auf die meteorologischen noch auf die kulturellen. Der Spätherbst 2006 ging dieses Mal ohne Einschaltung eines Winters nahtlos in den Vorfrühling 2007 über. Erdbeeren gibt es seit langem auch in der kalten Jahreszeit - wenn es die denn gibt. Die Weihnachtsmänner kommen unmittelbar nach den Sommerferien in die Schaufenster. Und nun endet auch die närrische Zeit nicht mehr am Aschermittwoch. Beweise?

Erstens: Da spricht der Augsburger Bischof Mixa von berufstätigen Müttern als "Gebärmaschinen" . Als könnte diese Wortwahl in irgendeinem Zusammenhang human oder gar christlich sein. Kein Bischofsbruder tritt ihm offen entgegen. Aber so ist das nun einmal im katholischen Episkopat: Man kritisiert einander nicht öffentlich. Diese an sich schöne Anwandlung eines brüderlichen Korpsgeistes (Protestanten könnten sich davon manchmal ein Scheibchen abschneiden) hat zur Folge, dass der kleine Mann auf der Straße und in der Kirche denken muss: Die denken alle genauso.

A propos katholischer Korpsgeist: Dass der gute Katholik Wolfgang Thierse auch noch versucht herauszuarbeiten, der Bischof Mixa habe doch nur sagen wollen, was die SPD schon die ganze Zeit sage, dass nämlich der Arbeitsmarkt sich den Müttern, nicht aber die Mütter sich dem Arbeitsmarkt anzupassen hätten, das ist dann doch vielleicht eine Kniebeuge zu viel. Und es zollt im Übrigen der Familienpolitik der SPD ("Gedöns") in der vergangenen Regierung zu viel der Ehre.

Zweitens: Der für die Beziehungen der SPD zur katholischen Kirche besonders zuständige SPD-Vorsitzende Kurt Beck bringt den Bischof Mixa wiederum mit einem kastrierten Kater in Verbindung. Damit greift er nicht nur in die unterste Kiste der anti-klerikalen Polemik. Er stellt auch unter Beweis, dass ihm der Unterschied zwischen einem Eunuchen und einem Zölibatär nicht geläufig ist. Da tut sich großer Beratungsbedarf auf.

Drittens: Der DGB rüstet gegen die Rente mit 67 auf, aber unterlässt es zu erklären, wie er denn anders eine immer höhere Lebenserwartung von immer mehr Rentnern mit einer immer kürzeren Lebensarbeitszeit von immer weniger Berufstätigen finanziell auf einen Nenner bringen will. Die Rechnung ist aber ganz einfach: Erhöht man nicht das Rentenalter, müssen die verbliebenen Arbeitenden (und Gewerkschaftsmitglieder) immer höhere Rentenbeiträge zahlen. Oder der Steuerzahler muss dafür aufkommen. Macht nichts, bringt nichts, ändert nichts. War gut, dass man wieder einmal protestiert hat.

Wann also gehen die Narren einmal in sich – wenn schon nicht mal mehr am Aschermittwoch?

Zum Thema
Mixa rudert zurück - Im Streit um den Ausbau der Kinderbetreuung hat Bischof Mixa seinen Ausdruck "Gebärmaschinen" für berufstätige Mütter zurückgenommen "

Absurder Angriff - Bischof Mixa hat von der Realität in den Familien keine Ahnung. Ein Kommentar "