Hochzeit im Himmel, Scheidung auf Erden: Die einst hochgelobte Fusion der Autokonzerne Daimler-Benz und Chrysler zu DaimlerChrysler hat sich nicht zur transatlantischen Traumehe, sondern eher zum deutsch-amerikanischen Dauerfrust entwickelt. Sowohl die Vision des früheren Vorstandschefs Schrempp von der "Welt AG" wie auch die pragmatischen Sanierungsversuche des derzeiten Chefs Zetsche sind gescheitert, und im Lauf der vergangenen Jahre wurden Milliarden an Unternehmenswert vernichtet - zum Ärger für die Aktionäre, die vor Jahren Schrempps großspurigen Sprüchen Glauben geschenkt hatten.

Für die Betroffenen ist es ein schwacher Trost, dass sie kein Einzelfall sind. Eine im vergangenen Jahr von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young durchgeführte Studie zeigte nämlich, dass die erhoffte Wertsteigerung im Zuge von Fusionen nur allzu oft ausbleibt. Insgesamt wurden 189 Fusionen von börsennotierten Großunternehmen untersucht, die zwischen 1992 und 2006 durchgeführt wurden. Das Ergebnis: Jede zweite Fusion hat Unternehmenswert vernichtet, und ein realer Wertzuwachs konnte nur bei einem Drittel der Zusammenschlüsse beobachtet werden. Der Rest der Fusionen veränderte den Unternehmenswert nicht relevant.

Hauptgrund des Scheiterns ist, dass es den Managern oftmals nicht gelingt, die grundverschiedenen Unternehmenskulturen unter einen Hut zu bringen. Je größer das aufgekaufte Unternehmen, umso fataler kann sich dies auswirken. Wenn zwei Parallelwelten existieren, die sich möglicherweise noch spinnefeind sind, dann sind Demotivation, Qualitätsverluste und unnötige Verwaltungskosten vorprogrammiert. Während bei einer kleineren Übernahme das aufgekaufte Unternehmen noch als spezialisierter Nischanbieter mit eigenem Profil ohne größere Reibungsverluste weitergeführt werden kann, ist dies bei großen Übernahmebrocken nicht mehr machbar.

Auch die Übernahme der Dresdner Bank vor gut fünf Jahren durch den Versicherungskonzern Allianz hat sich bislang kaum ausgezahlt. Erst seit kurzem leistet die Bank nach harten Sanierungsjahren einen nennenswerten Beitrag zum Unternehmensgewinn, und die Zusammenarbeit zwischen den Bankern und Versicherungsvertretern läuft immer noch auf Sparflamme.

Allerdings sind diese Probleme Peanuts gegen die Mutter aller missglückten Fusionen: Als der Onlinekonzern AOL den Medienmulti Time Warner übernahm und AOL-Chef Steve Case auf dem Vorstandssitz des fusionierten Konzerns inthronisiert wurde, feierte die Börsenwelt das Zusammenwachsen von traditionellen und neuen Medien. Doch nichts ist zusammengewachsen, und nichts gehört mehr zusammen - nicht einmal im Firmennamen. AOL wurde mittlerweile aus dem Konzernnamen gestrichen, und das Unternehmen lebt größtenteils wieder wie eh und je vom Fernseh-, Film- und Zeitschriftengeschäft.