Fußball ist gerecht? - Mitnichten. Denn auf der einen Seite stehen die Vereine, die ihre Umsätze hauptsächlich aus dem reinen Fußballgeschäft generieren - also aus dem Verkauf von Eintrittskarten, Fernsehrechten und Fanartikeln sowie aus dem Sponsoring. Auf der anderen Seite sind die Vereine zu finden, die zwar auch über diese Einnahmen verfügen, die aber nebenbei noch einen Mäzen haben, der die Vereine mit zusätzlichen Finanzspritzen versorgt. Man spricht hier auch von "unnatürlichen Geldflüssen", denn ihnen steht keine unmittelbare Gegenleistung der Vereine gegenüber.

Doch Abramowitsch, mit seinem Engagement bei Chelsea London, ist nur die Spitze des Eisbergs. Es geht auch ohne externe Geldspritzen. So lange Vereine wie Mainz 05 und der FC Bayern München in einer Liga spielen, ist das finanzielle Ungleichgewicht auch ohne Mäzene gewaltig. Die Münchner können bei ihren Heimspielen 69.000 Zuschauer beherbergen, nicht wenige davon in teuren Logen. Mainz kommt gerade mal auf 20.000 Zuschauer. Bayern München bekommt von seinem Hauptsponsor bis zu 20 Millionen Euro pro Saison, Mainz 05 gerade mal 2,5 Millionen Euro. Wenn man dann noch die Millionen Euro berücksichtigt, die Bayern München Jahr für Jahr aus der Teilnahme an europäischen Wettbewerben erhält, braucht man an einen fairen Wettbewerb nicht mehr zu glauben. Dass Mainz, Bochum oder Aachen den Bayern sportlich trotzdem - zumindest gelegentlich - Paroli bieten können, ist schon fast eine Sensation.

In wirtschaftlichen Fachkreisen wird deshalb gelegentlich die Idee diskutiert, den Fußball nach amerikanischem Vorbild zu organisieren. Nicht mehr der sportliche Wettbewerb soll über die Teilnahme an der Bundesliga - oder auf europäischer Ebene an der Champions League - entscheiden, sondern die finanzielle Potenz. Die Liga-Organisation würde in einer Art Franchise-Verfahren die Teilnahmeberechtigung am Spielbetrieb vergeben. Die Liga wäre ein geschlossener Club, Auf- und Abstiege durch sportliche Leistungen würden der Vergangenheit angehören.

Die wirtschaftlichen Vorteile liegen vordergründig auf der Hand. Die Vereine hätten deutlich mehr Planungssicherheit als in einer offenen Liga, denn ihr Verbleib in der Liga hinge nicht vom sportlichen Abschneiden ab. Abstiegsangst ade. Für die Liga würde ein System nach amerikanischem Vorbild mehr finanzielle Ausgeglichenheit bedeuten, weil es keine kleinen Eindringlinge mehr gäbe, die sich durch sportlich überzeugende Leistungen den Weg in das Konzert der Großen erkämpfen können. Bayern München bräuchte sich also nicht mehr vor Niederlagen gegen Alemannia Aachen zu fürchten, denn der Alemannia würde vermutlich nie Zugang zu diesem elitären Kreis gewährt.

Wenn die Teilnahme-Lizenzen versteigert würden, bekämen die Vereine den Zuschlag, die über ein großes Fan-Potenzial und damit über entsprechende Vermarktungsmöglichkeiten verfügen. Gute Karten also für die etablierten Vereine. Einige Ökonomen haben aber auch eine besonders verwegene Idee: Teilnehmen sollen nur Mannschaften, die aus Ballungsgebieten kommen und dementsprechend eine hohe Marktabdeckung haben. Freuen könnten sich dann Mannschaften wie Eintracht Frankfurt oder der 1. FC Köln, und selbst die Düsseldorfer Fortuna hätte gute Chancen auf ein Comeback im deutschen Profifußball. Wäre die Bundesliga schon bei ihrer Gründung nach diesem Kriterium konzipiert worden, hätte es die Deutschen Meister aus Kaiserslautern, Mönchengladbach und Bremen wohl nie gegeben.