Christian Klar hat sich erstmals seit seinem Gnadengesuch öffentlich zu Wort gemeldet. Anfang des Jahres hatte er eine erst jetzt bekannt gewordene Grußbotschaft für die Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin verfasst. Darin äußert sich Klar in einer Diktion, die in globalisierungskritischen Kreisen durchaus üblich ist, die sich jedoch eindeutig gegen das kapitalistische Wirtschaftssystem wendet.

Der Ex-Terrorist hatte die Hoffnung geäußert, dass die Zeit jetzt gekommen sei, "die Niederlage der Pläne des Kapitals zu vollenden und die Tür für eine andere Zukunft aufzumachen". Während in Lateinamerika seit einigen Jahren "endlich den Rechten der Massen wieder Geltung gegeben" werde, werde Europa weiter von einem "imperialen Bündnis" beherrscht.

Diese Äußerungen Klars sorgten bei vielen Politikern für Empörung. Der bayerische Innenminister Günther Beckstein sagte, der "aggressive Ton" und die "ideologische Verbohrtheit" von Klars Grußbotschaft machten "deutlich, dass es sich um einen unverbesserlichen terroristischen Verbrecher handelt". CSU-Generalsekretär Markus Söder hält einen Gnadenerweis für "undenkbar". Der verurteilte Mörder Klar müsse "bis ans Ende seines Lebens hinter Schloss und Riegel bleiben", sagte er.

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse sagte : "Man merkt, dass Herr Klar zu einer deutlichen selbstkritischen Einsicht weder bereit noch fähig ist." FDP-
Parteichef Guido Westerwelle sagte: "Herr Klar ist kein geläuterter Täter, sondern bleibt ein verurteilter Serienmörder, dessen Begnadigung ich strikt ablehne. Wer Gnade vor Recht erbittet, aber unsere Grundordnung nicht anerkennt, hat keine Gnade verdient."

Klar, der seit mehr als 24 Jahren wegen mehrerer gemeinschaftlich verübter Morde in Haft sitzt, hofft derzeit auf einen Gnadenentscheid des Bundespräsidenten. Ein Sprecher von Bundespräsident Horst Köhler, dessen Entscheidung in den kommenden Monaten erwartet wird, wollte die Äußerungen nicht kommentieren.

Nach Information der Stuttgarter Nachrichten will die Justizvollzugsanstalt in Bruchsal an diesem Dienstag darüber befinden, ob Klar ab Sommer mit Vollzugslockerungen rechnen kann. Der ehemalige RAF-Terrorist ist zu sechsmal lebenslänglich plus 15 Jahren Haft verurteilt. Er kann auf dem Rechtsweg frühestens nach 26 Jahren, also Anfang 2009, freikommen.

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