Ursprünglich sollte für alle Gaststätten der Bundesrepublik ein komplettes Rauchverbot vereinbart werden. Nur in vollständig abgetrennten "Raucherräumen" wollten die Gesetzgeber das Rauchen weiterhin tolerieren. Soweit das Vorhaben. Der Abschlussbericht der Arbeitsgruppe zum Nichtraucherschutz zeigt jedoch, dass nur 14 der 16 Länder eine solche Regelung befürworten. Ausreißer sind Niedersachsen und Thüringen. Welche Gründe werden dafür angeführt? Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff ist grundsätzlich zwar für das Rauchverbot, will den Gastwirten aber die Möglichkeit einräumen, ihr Lokal zu einer Rauchergaststätte zu erklären. Solche Raucherlokale müssten dann mit einem "R" gekennzeichnet sein. Wulff sagte: "Davon wird aber der Großteil der Gastronomen keinen Gebrauch machen." Aus seiner Sicht werden dies allenfalls kleinere Eckkneipen nutzen. In allen anderen Gaststätten und Restaurants soll es nach der Vorstellung Wulffs dagegen ein Rauchverbot geben - mit Ausnahme separater Raucherzimmer. Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) plädierte für "kontrollierbare" Rauchverbote. Problematisch sei daher ein Rauchverbot in Kneipen auf dem Land mit nur einem Gastraum. "Zu einem gemeinsamen Mustergesetz, an das sich dann alle Länder halten, wird es wohl nicht kommen. Das ist ein zu ambitioniertes Ziel", sagte die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Baden-Württembergs Sozialministerin Monika Stolz (CDU). Sie geht aber dennoch davon aus, dass man sich auf "Handlungskorridore" einigen wird. Schließlich seien die Länder sich weitgehend einig über ein Rauchverbot in Bildungs- und Kultureinrichtungen, Krankenhäusern, Behörden und öffentlichen Verkehrsmitteln. An diesem Freitag wird eine Vorentscheidung fallen: Die Minister von Bund und Ländern kommen in Hannover zu einem "Nichtraucher-Gipfel" zusammen, dabei sind auch Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) und Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU). Der Abschlussbericht dient als Grundlage für die Beratungen bei der Konferenz der Ministerpräsidenten am 22. März. Bei der gesetzlichen Regelung des Nichtraucherschutzes sind die Bundesländer bislang unterschiedlich weit. Als einziges Bundesland hat Bremen ein Nichtraucherschutzgesetz verabschiedet. Es enthält Regelungen für Schulen, Kindertagesstätten und Krankenhäuser. In Sachsen-Anhalt hat das Kabinett zumindest schon ein Gesetz beschlossen. Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) forderte ein uneingeschränktes Rauchverbot für öffentlich zugängliche Räume, "darunter selbstverständlich auch die der Gastronomie". Auch bei sehr guter Entlüftung von verqualmten Räumen bleibe ein Krebsrisiko für Nichtraucher, teilte das DKFZ mit. Ein "technischer Nichtraucherschutz", wie ihn die Tabakindustrie und einige Hersteller von Lüftungsanlagen für öffentliche Räume anbieten, sei unwirksam. In einer Emnid-Umfrage für den Fernsehsender N24 sprachen sich unterdessen 63 Prozent der Befragten für ein Rauchverbot in Gaststätten aus. 35 Prozent lehnten dies ab.