Herrische Schwestern, hastige Ärzte, bescheidenes Essen, laute Zimmernachbarn, dazu noch das architektonische Flair eines sechziger-Jahre-Wohnheims: Wer im Krankenhaus liegt, leidet oft nicht nur unter seinen gesundheitlichen Problemen. Gerade für Patienten, die keiner intensiven medizinischen Betreuung mehr bedürfen, kann ein stationärer Aufenthalt in Deutschland ziemlich unkomfortabel werden. Die Kranken ertragen es bislang mit Demut: Eine deutsche Klinik ist eben kein Hotel.

Das aber soll sich nun ändern. Die Klinikbetreiber der Bundesrepublik beginnen, das Thema Service neu zu entdecken – und zwar mit so genannten Patientenhotels. In den USA, in Australien und vor allem in Skandinavien haben solche Einrichtungen längst Tradition. Jetzt könnten die gehobenen Herbergen auch für die deutsche Klientel zum Standard werden.

Zum Beispiel in Lübeck: 120 Zimmer der Kategorie "Drei Sterne plus", eine Rezeption, Restaurant, Bar und sogar Tagungsräume soll das Krankenhaushotel auf dem Campus der Universitätsklinik bieten. Gedacht ist das Hotel für stationäre "low care"-Patienten, also solche, die nicht – oder nicht mehr – unter ständiger medizinischer Aufsicht stehen. Auch für Angehörigen und ambulanten Patienten soll die neue Herberge das Angenehme mit dem schnellen Zugriff auf medizinische Hilfe verbinden. Auch in Aachen, Hamburg und Hannover gibt es erste Projekte im kleineren Stil.

Vorbilder sind vor allem Dänemark und Schweden, die seit vielen Jahren mit diesem Konzept arbeiten. "Angefangen hat man dort vor über zehn Jahren in der Geburtshilfe – um so den jungen Familien mehr Privatsphäre zu geben", sagt Marie-Luise Müller von der Deutsche PatientenHotel GmbH, einer auf Patientenhotels spezialisierten Beratungsgesellschaft. Mittlerweile hätten sich zudem Patienten aus Orthopädie, Dermatologie, Urologie und Onkologie als ideale Hotelgäste erwiesen. "Sie sind kostengünstiger und durch die angenehme Hotelumgebung motiviert, schnell wieder gesund zu werden", erklärt Müller.