Mit seinem Rücktrittsgesuch reagierte Romano Prodi auf eine Niederlage in der zweiten Parlamentskammer - nur neun Monate nach dem Amtsantritt der Mitte-Links-Regierung. Mehrere kommunistische Senatoren hatten ihm bei der Abstimmung über die Fortsetzung des Einsatzes in Afghanistan die Gefolgschaft verweigert, obwohl Außenminister Massimo D'Alema mit dem Rücktritt des Kabinetts gedroht hatte.

An diesem Donnerstag beginnen nun Konsultationen über das weitere Vorgehen. Staatspräsident Giorgio Napolitano bat Prodi, die Amtsgeschäfte zunächst fortzuführen, bis eine Lösung gefunden ist.

Wenn Prodi im Amt bleiben will, müsste er im Parlament die Vertrauensfrage stellen - und überstehen. Denkbar ist aber auch, dass Napolitano das Rücktrittsgesuch akzeptiert und eine neue Regierung - mit oder ohne Prodi - beauftragt. Er könnte aber auch Neuwahlen ansetzen.

Bei der Abstimmung über die außenpolitischen Grundlinien hatte Prodis Regierungsbündnis am Nachmittag lediglich 158 Stimmen erhalten und damit das notwendige Quorum um zwei Stimmen verfehlte. Schon vor der Abstimmung hatte Außenminister D'Alema angekündigt, dass die Koalition im Falle einer Niederlage möglicherweise zurücktreten werde. Er bat um Unterstützung für die weitere Finanzierung der Mission in Afghanistan - ein Punkt, bei dem es seit Wochen Streit mit dem äußerst linken Flügel der Koalition gibt.

Vor allem die Postkommunisten sind strikt gegen eine weitere Stationierung der gegenwärtig 1900 italienischen Soldaten. Mehrere Senatoren aus den Reihen der kommunistischen Partei enthielten sich daher bei der Abstimmung

Nach dem Votum kam es im Palazzo Madama - dem Sitz des Senats - zu tumultartigen Szenen. Oppositionspolitiker skandierten immer wieder lautstark: "Rücktritt! Rücktritt!" Im Senat verfügt das Bündnis nur über eine hauchdünne Mehrheit. Um Mehrheiten zu erreichen, hatte Prodi bereits in den vergangenen Monaten mehrfach Abstimmungen über Gesetze mit einer Vertrauensfrage verbunden.

"Prodi hat die Pflicht, umgehend zurückzutreten", sagte Oppositionschef Silvio Berlusconi. "Das Land muss so schnell wie möglich aus dieser Katastrophe herauskommen." Auch vor dem Regierungssitz versammelten sich spontan zahlreiche rechte Demonstranten, die Prodi zum sofortigen Rücktritt aufforderten.

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