1999 begann die Ära von Lance Armstrong. Nach seiner Krebserkrankung siegte er bei der letzten Frankreichrundfahrt im alten Jahrhundert. Ullrich fehlte, ein Sturz bei der Deutschlandtour ließ den Start platzen. Wenige Monate später gewann er jedoch die Spanienrundfahrt und wurde Zeitfahrweltmeister.

Das erste Duell ehemals Ost gegen West, Ullrich versus Armstrong gab es 2000. Doch mit Armstrong hatte Ullrich einen unschlagbaren Gegner vor sich. Es schien ein verdrehtes Bild zu sein: Die amerikanische Siegmaschine, die so emotionslos das Rennrad zum Sieg prügelte, neben einem leidenden Mensch, der hinter dem eisernen Vorhang aufgewachsen war. Mit jedem Sieg, den Armstrong einfuhr, stiegen die Sympathien für Ullrich. Fünf Mal verlor er gegen Armstrong, aber alle glaubten an ihn. Seine Revanche erhielt Ulle bei den olympischen Spielen in Sydney, bei denen er siegte und Zweiter im Zeitfahren wurde.

Der ewige Glaube, dass Ullrich noch einmal die Grande Boucle gewinnen könnte, hielt bis zu seinem Karriereende. Nichts konnte ihn zerstören, keine Disco-Eskapaden, Ecstasy, Fahrradständer oder Dauerkritiker. Jedes Mal war er wieder für eine Überraschung gut, besonders 2003, als er an Armstrong bis auf 61 Sekunden heranrückte. Die Tour de France 2004 und 2005 verliefen jedoch weniger gut als zuvor. Platz vier und drei verstärken die Unkenrufe der Kritiker.

Doch 2006 war alles anders. Ullrich wollte den letzten großen Coup landen, die Tour ein zweites Mal gewinnen. Er war austrainiert und fit. Doch einen Tag vor dem Prolog wird Ullrich und sein Betreuer Rudy Pevenage vom T-Mobile-Team am 30. Juni suspendiert: Doping-Verdacht. Er leugnet jede Schuld, aber niemand glaubt ihm. Das erste Mal spricht er nicht aus seinem Herzen und ringt nach Erklärungen. Am 21. Juli erhält er die fristlose Kündigung von T-Mobile. Die Bonner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betrug, die Staatsanwaltschaft Hamburg wegen Falschaussage. Aus dem Helden ist scheinbar ein Lügner geworden.

Im Januar 2007 wird Ullrich mit mehreren Teams in Verbindung gebracht und nährt die Hoffnung auf ein Comeback. Am 26. Februar erklärt Ullrich in Hamburg seinen Rücktritt vom aktiven Radsport. Ullrich war der stille und ungewollte Revolutionär des deutschen Radsports – aber jede Revolution frisst ihre Kinder.

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