Beim Generalstab im Pentagon sei eine spezielle Einsatzgruppe mit den Vorbereitungen der Angriffe beschäftigt, berichtete Hersh. Derzeit laufe eine Feinabstimmung der Ziele. Falls Bush den Befehl gebe, könnten die USA Iran innerhalb von 24 Stunden angreifen, sagte der Pulitzer-Preisträger am Sonntag dem US-Nachrichtensender CNN. Er habe den Eindruck, dass Bush nicht aus dem Amt scheiden werde, ohne etwas gegen Iran zu tun. "Ich weiß nicht, was ihn aufhalten kann, weil er der Präsident ist", sagte Hersh.

Hersh gilt für gewöhnlich als ausgezeichnet informiert. Insbesondere hat er gute Kontakte in das Pentagon und die amerikanische Militärführung. Hersh hatte unter anderem die Fälschungen bei der Vorbereitung des Irak-Kriegs und die Folterungen in Abu Ghraib enthüllt. Verteidigungsminister Robert Gates und das Pentagon hatten wohl deshalb vorsorglich bereits vor Erscheinen seines Beitrages am Wochenende versichert, dass es keinerlei Kriegsvorbereitungen gebe. US-Vizepräsident Richard Cheney hatte allerdings zuvor erneut einen Militärschlag gegen Iran nicht ausgeschlossen

Top-Diplomaten der fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats und Deutschlands beraten an diesem Montag in London über das weitere Vorgehen im Atomstreit mit Teheran. Wie der britische Fernsehsender BBC berichtete, könnten unter anderem Reisebeschränkungen für Mitarbeiter am iranischen Atom- und Raketenprogramm diskutiert werden. Vergangene Woche war ein UN-Ultimatum zur Einstellung der Urananreicherung verstrichen.

Trotz internationaler Warnungen beharrte der iranische Präsident Mahmud Ahmadineschad am Sonntag auf seiner Position zum Atomprogramm. "Dieser nukleare Zug hat weder eine Bremse noch einen Rückwärtsgang", sagte er. "Wir haben sowohl die Bremse als auch den Rückwärtsgang im Vorjahr weggeworfen."

US-Außenministerin Condoleezza Rice entgegnete, Iran müsse nicht den Rückwärtsgang einlegen, sondern "einfach nur den Stopp-Knopf drücken". Rice appellierte an Ahmadineschad, die Lage nicht zu verkennen. Selbst in Iran gebe es Kritik am eigenen Präsidenten, dass er mit seiner Politik das Land isoliere. Sollte Iran die umstrittene Urananreicherung stoppen, dann seien die USA jederzeit und an jedem Ort bereit zu umfangreichen Verhandlungen. Die Ministerin trat zugleich dem Vorwurf entgegen, die USA wollten den Atomstreit für einen Regimewechsel in Teheran ausnutzen.

Die Außenminister der einflussreichen islamischen Staaten Saudi-Arabien, der Türkei, Indonesien, Malaysia, Jordanien, Ägypten und Pakistan warnten in Islamabad vor einer Verschärfung der Lage. "Es ist entscheidend, dass alle Fragen durch Diplomatie gelöst werden und dass es zu keiner Gewaltanwendung kommt", hieß es in einer Erklärung nach einem Ministertreffen zu einer gemeinsamen Strategie im Nahen Osten.

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