„Der altruistische Gedanke hat mich sofort überzeugt. Diese Idee einer globalen Gemeinschaft, dass ich etwas gebe und dafür etwas zurückbekomme“, schwärmt Kyros Hariri. Die Gemeinschaft, zu der er seit einem halben Jahr gehört, ist eigentlich ein Unternehmen und heißt Fon. Innerhalb der kommenden Jahre will es einen weltweiten Zugang zum Internet über dezentrale Funknetze, sogenannte WLANs, ermöglichen. Wenn das gelingt, könnten Hariri und andere Mitglieder der Fon-Gemeinschaft, „Foneros“ genannt, fast überall auf der Welt kostenlos im Netz surfen. Zuvor müssen allerdings noch allerhand technische und rechtliche Probleme gelöst werden.

Gegründet wurde Fon von dem argentinischen Unternehmer und Milliardär Martin Varsavsky . „Niemand sollte unterwegs um einen Internetzugang betteln müssen, wenn er zu Hause einen Anschluss bezahlt“, sagt er, „wir machen aus Bettlern Menschen, die das Recht auf einen Internetzugang haben.“ Zu seinen Investoren zählen die Suchmaschine Google, der Internettelefonie-Dienst Skype und der Risikokapitalgeber Sequoia, der auch schon Google und die Videoplattform YouTube finanzierte. Anfang Februar 2006 haben sie 18 Millionen Euro in Fon gesteckt. Ähnlich wie im Falle von YouTube oder dem Fotoportal Flickr basiert auch das Geschäftsmodell von Fon auf der Bereitschaft der Nutzer, etwas beizutragen – also auf der „Community“. Nur stellen sie in diesem Fall nicht die Inhalte zur Verfügung, sondern die Infrastruktur: Sie teilen ihre privaten Internetzugänge mit anderen Foneros. Der Erfolg hängt also in großem Maße davon ab, ob das Unternehmen es schafft, Nutzer für die Idee zu begeistern.

Noch kann von einem flächendeckenden Netz keine Rede sein. Obwohl in Deutschland nach Fon-Angaben 15.000 aktive Funknetze existieren und die Zahl weiterhin schnell steigt, findet sich selbst in Hamburg erst alle paar Straßen ein Fonspot. Die Karte auf der Fon-Webseite (http://maps.fon.com) zeigt nur wenige dunkelgrüne Punkte – sie stehen für rund um die Uhr eingeschaltete Netze. Um mit einem WLAN-Handy zu telefonieren, wie Fon es gemeinsam mit Skype anbietet, reicht das noch lange nicht.

Auch wer als Fon-Mitglied einen dieser Punkte aufsucht, hat nicht unbedingt Glück. Befindet sich der Sender zum Beispiel in einem oberen Stockwerk, reicht das Funksignal häufig kaum bis auf die Straße. Doch selbst wer ein funktionierendes Signal empfängt, weiß noch nicht, wie er den Fonspot nutzen kann. Soll er sich mit dem Laptop im Schneidersitz auf den Bürgersteig setzen?

In der Praxis funktioniert das Konzept bisher erst in den Cafés oder Geschäften, die einen kommerziellen Fonspot betreiben. Diese sogenannten Bills bekommen von Fon 50 Prozent der Einnahmen, die erzielt werden, wenn Nutzer, die nicht Teil der Community sind, sich gegen eine Gebühr in das Netz einwählen. Bills sind jedoch auf der Karte nicht ausdrücklich gekennzeichnet und gar nicht so leicht zu finden.

Kyros Hariri, einer der Moderatoren des inoffiziellen deutschen Fon-Diskussionsforums , kennt das Problem. Wenn er unterwegs ist, druckt er sich die Fon-Karte vorher aus und nimmt sie mit. „Allerdings konnte ich mich bisher erst ein einziges Mal mit einem Sender verbinden“, gesteht er. Zum Telefonieren benutzt er Fon auch nicht. Fon-Gründer Varsavsky sieht die Anlaufschwierigkeiten gelassen: „Natürlich können wir nicht jedes Mal eine Lösung bieten, wenn jemand eine Internetverbindung sucht. Aber es ist kein großer Aufwand, Mitglied zu werden.“