Abends auf dem Sofa vor dem Flachbildschirm sitzen, in der Werbepause mit der Fernbedienung auf die Urlaubsfotos vom letzten Jahr umschalten und dabei über Kopfhörer mit Oma telefonieren. Oder vor dem Bildschirm im Internet surfen, ein Video herunterladen und dabei einen neuen Song hören. Zu gerne würde uns die Industrie ein Universalgerät verkaufen, das Fernseher, Videorecorder, Computer und Stereoanlage technisch miteinander vereint zum „Home Media Center“. Dass die Hersteller in der Lage sind, so etwas zu bauen, zeigen sie auf der Computermesse Cebit. „Konvergenz“ ist in diesem Jahr das große Modethema.

Fernsehempfang über das Internet in Heimkinoqualität, Mobiltelefone mit Glotze-Funktion und Navigationsgerät oder ein digitaler Rundfunkempfänger im Computer – machbar ist das alles. Die Frage ist nur, ob es auch jemand haben will. „Die Lücke zwischen den potenziellen Möglichkeiten der neuen Technologien und ihrer tatsächlichen Nutzung ist groߓ, stellt eine Studie des Zentrums für Evaluation und Methoden (ZEM) der Universität Bonn und IBM Business Consulting Service fest. Die Branche produziert gern mal am Konsumenten vorbei – oder landet einen Überraschungserfolg, mit dem niemand gerechnet hat.

Bekanntestes Beispiel ist die SMS-Kurznachricht. „Wer hätte auch ahnen sollen, dass sich mit diesen minimalen Infoteilchen Milliardenumsätze machen lassen?“, fragt Florian Koch, Fachreferent beim Branchenverband Bitkom. „Vor zehn Jahren hätte ich auch nicht geglaubt, dass sich das Fotohandy durchsetzt“, ergänzt Hans-Joachim Frank, Leiter der Branchenanalyse bei der Deutschen Bank. Hätte ihm damals jemand prophezeit, dass schon heute mehr Fotos mit Telefonen als mit Digitalkameras geschossen werden – er hätte ihn für einen durchgedrehten Technikfreak gehalten.

Die Branche erfindet aber auch technologische Träume, die ihr keiner abkauft, zum Beispiel das „intelligente Haus“, in dem Telefonanlage, Heizung, Küchengeräte und Unterhaltungselektronik zu einer Steuerungseinheit verschmelzen. Zu kompliziert und zu teuer sei das, meint Florian Dickgreber, zuständig für den Bereich Telekommunikation und Konvergenz bei der Unternehmensberatung A.T. Kearney. „Außerdem finden Sie kaum einen Techniker, der Ihnen solche Geräte vernetzen könnte.“

„Das Handy ist das Schweizer Messer der Neuzeit“

Erfolgreich war die Konvergenz bisher vor allem im Mobilfunk. Fast alle Handys haben integrierte Kameras, viele sind auch Walkman, Radio und Diktaphon, manche können sogar als Navigationsgerät, Walkie-Talkie oder Fernseher benutzt werden. „Das Handy ist auf dem besten Wege zum Schweizer Messer der Neuzeit zu werden“, sagt Bitkom-Experte Koch, „damit kann man schon fast alles machen.“