Peter Schlobinski ist Professor für deutsche Literatur und Sprache an der Universität Hannover und beschäftigt sich seit 1998 in dem Projekt sprache@web mit linguistischen Analysen Neuer Medien.

DIE ZEIT: Die Cebit konfrontiert uns jedes Jahr mit neuen Modebegriffen aus der IT-Welt. Was hält der Linguist zum Beispiel von Podcasting?

Peter Schlobinski: Das ist ein sogenanntes Koffer- oder Portmanteau-Wort. Der Begriff geht auf Alice hinter den Spiegeln zurück, und bezeichnet die Verschmelzung von mindestens zwei Wörtern zu einem Neuwort, dessen Bedeutung sich von seinen Bestandteilen unabhängig macht. Also wie bei einem Koffer, der erst durch das Zusammenschnappen der beiden Klappen seine eigene Form bekommt. In Podcasting steckt der iPod drin und das broadcasting. Oder bei Weblog das Web und das Logbook. Das ist ein normaler Wortbildungsprozess, der im Deutschen allerdings nicht besonders häufig vorkommt.

ZEIT: Und was sagen uns iPod und iPhone?

Schlobinski: Das Interessante ist, dass das „i“ davor steht, ohne Bindestrich und kleingeschrieben. Das ist zunächst mal eine Erkennungsmarke für Apple. In Foren wird jetzt diskutiert, wofür das „i“ eigentlich steht. Erste Assoziation: Internet, zweite Assoziation: intelligent. Ich finde besonders interessant, dass hier das „i“ eine Assoziation zum interaktiven und multimodalen sogenannten Web2.0 weckt – so wie früher der Klammeraffe @ für den E-Mail-Verkehr stand und das „e“ in E-Commerce, E-Learning oder ähnlichen Wortbildungen für die elektronische Kommunikation im Netz. Also, um es platt zu sagen: Die Entwicklung vom Klammeraffen über das „e“ zum „i“ markiert Entwicklungsphasen des Internets und die Zeichen erhalten dabei einen symbolischen Gehalt.

ZEIT: Auf die E-Mail wird die iMail folgen? Und was wäre das?

Schlobinski: Vielleicht ein multimodales Mailingsystem, das ich per SMS über iPhone aufbaue mit einem YouTube-Film als Visitenkarte. Wer weiß.