Der Dax sackte in den ersten Handelsminuten um bis zu 2,4 Prozent auf 6445 Zähler ab und erholte sich auch später kaum. Kurz nach Mittag stand er bei 6469 Punkten. " Der Dax hat bei 7000 Punkten seinen Geist aufgegeben und befindet sich jetzt in der Korrektur, die jeder haben wollte und die jetzt keiner will", sagte Marktanalyst Mirko Pillep von der Helaba. Seit vergangenen Dienstag in Shanghai die Kurse rutschten, stecken die Börsen weltweit in Turbulenzen - wie hier in London

Sämtliche 30 Aktien, die im deutschen Leitindex enthalten sind, verloren an Wert. Zu den größten Verlierern gehörten die Papiere des Nutzfahrzeugherstellers MAN und der Lufthansa , die beide um 3,4 Prozent abrutschten.

Werte aus der zweiten Reihe wurden ebenfalls verkauft. Eine Händlerin sprach gar von "Abschlachten": "Wenn die Märkte runtergehen, geben auch die Fonds ab. Deswegen ist das Abschlachten bei den Nebenwerten so groß", sagte sie. Der MDax rutschte um 3,3 Prozent auf 9223 Punkte. Der Technologieindex TecDax brach um 4,5 Prozent auf 759 Zähler ein. Die in keinem Index enthaltenen Aktien des Sportwagenbauers Porsche verloren nach der Bekanntgabe von Halbjahreszahlen um 3,7 Prozent, obwohl das Unternehmen seine Jahresziele bekräftigt hatte.

Nach Ansicht von Börsianern sind die Investoren derart verunsichert, weil die asiatischen Börsen am Montag erneut massive Kursverluste verzeichneten. Schon in der vergangenen Woche hatte ein Kurssturz in Schanghai weltweit Turbulenzen an den Börsen verursacht. In New York hatte die Börse am Freitag die Handelswoche mit dem stärksten Kursverlust seit vier Jahren beendet. Marktteilnehmer sprachen von einer anhaltenden Nervosität unter den Anlegern. Am Montag schloss der chinesische SSE Composite dann erneut 3,5 Prozent im Minus. In Tokio beendete der Nikkei-Index den ersten Handelstag der Woche mit einem Abschlag von 3,34 Prozent. Dies war der größte prozentuale Tagesverlust seit neun Monaten.

Händlern zufolge verkauften Anleger nach einem deutlichen Yen-Anstieg in Japan vor allem die Papiere exportorientierter Unternehmen. Für größere Verwerfungen sorgte auch die Auflösung sogenannter Carry Trades . Dabei leihen sich Anleger Geld in niedrig verzinsten Währungen wie dem Yen und legen die Mittel in Hochzinswährungen wie Euro oder Dollar an. "Hedge-Fonds-Manager und Spekulanten, die Aktien mit Geld aus Carry Trades gekauft haben, müssen ihre Aktien jetzt verkaufen, um ihre Währungspositionen zu schließen", sagte ein Börsianer.

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