Der Autor ist Korrespondent der britischen Tageszeitung "Guardian". Sein Beitrag ist der sechste in einer unregelmäßigen Reihe von Kommentaren, mit denen Korrespondenten europäischer Tageszeitungen auf ZEIT online die EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands begleiten.

Die deutsche Ratspräsidentschaft der EU steht diese Woche vor einer echten Prüfung. Nach zwei Monaten der Vorbereitungsphase geht es jetzt wirklich los. Ausgerechnet mit einem Thema, bei dem Europa eine Weltführungsrolle übernehmen will: dem Klimaschutz.

Die EU soll, nach den Worten ihres Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso, die erste Niedrigkohlendioxidwirtschaft der Welt werden und so helfen, den Planet zu retten. Sie soll ein Zeichen setzen, gerichtet an die USA und an die Schwellenländer, dass sie es ernst meint mit dem Ziel, den Klimakollaps abzuwenden und die notwendigen Investitionen dafür vorzubereiten.

Am Donnerstag treffen sich die 27 Staats- und Regierungschefs zu ihrem Frühlingsgipfel in Brüssel. Die Briten halten dieses Treffen für den bedeutendsten Gipfel seit dem Lissaboner im Jahr 2000. Der hatte damals ehrgeizige Ziele für eine Renaissance der maroden europäischen Wirtschaft gesteckt. Nun soll es nicht nur um den Erlass des ausscheidenden Tony Blair gehen. Vielmehr erwarten die 500 Millionen Bürger der EU, dass die Politiker sich endlich bewegen und ihren Sorgen näher kommen: "re-connecting with the people."

Auf den ersten Blick sind die Voraussetzungen des Gipfels günstig. In den vergangenen Wochen waren sich die Umwelt- und Energienminister der EU einig, dass Europa seine Treibhausgasausstöße einseitig bis 2020 reduzieren soll. In London geht man davon aus, dass dieses Ziel nun von den Regierungschefs übernommen wird.

Das Treffen soll außerdem die Industrieländer dazu aufrufen, bei den internationalen Klimaschutz-Verhandlungen im kommenden Jahr eine dreißigprozentige Emissions-Reduzierung zu vereinbaren. Bundeskanzlerin Angela Merkel sucht zudem Unterstützung für ihren Vorschlag, die USA und die Schwellenländer davon zu überzeugen, sie sollten an einem weltweiten cap and trade -Austoßsystem teilnehmen. Es soll in der Phase nach dem Kyoto-Protokoll einsetzen, also nach 2012. Die Demokraten im US-Kongress haben dazu schon rund 100 Gesetzentwürfe vorgelegt.