Berlin, im Februar 2007. Mit dem Paternoster geht es hinauf zum Kulturradio im Rundfunkgebäude des RBB. Dort wartet der Bassbariton Thomas Quasthoff. Er ist ein Star auf den Konzertbühnen dieser Welt, Professor für Gesang und mehrfacher Grammy-Gewinner. Heute hat er sich Zeit genommen, um über sein neues Projekt zu sprechen.

ZEIT online Herr Quasthoff, Sie haben Ihr erstes Jazzalbum aufgenommen. Wie kam es dazu?

Thomas Quasthoff Die Idee zu diesem Album besteht schon ziemlich lange, eigentlich, seitdem ich bei der Deutschen Grammophon unter Vertrag bin. Weil der Jazz schon da war, bevor ich Klassik gemacht habe. Ich habe mit meinem Bruder Jazz gespielt und sehr viel Jazz gehört – als Jugendlicher und Heranwachsender und auch jetzt noch.

Und dann machte Michael Harder einen Film mit mir, The Dreamer , mit einem Live-Mitschnitt vom Bachfest in Eugene, Oregon, wo ich ein Jazzkonzert gegeben habe. Wir sind gut befreundet, und er brachte mich mit Till Brönner zusammen. Als Till den Ausschnitt sah, sagte er: "Thomas, du musst unbedingt Jazz machen. Ich habe bisher noch nie einen Klassiker gehört, der das so kann wie du."
Dann war es erst mal ein bisschen schwierig, weil die Deutsche Grammophon sich am Anfang schwertat, verschiedene Sparten zu bedienen. Aber als sie dann die ersten Ergebnisse hörte, wandelte sich die Skepsis ganz schnell in Begeisterung. Wir hatten ja auch das ganz große Glück, mit Dieter Ilg und Peter Erskine, Chuck Loeb, Alan Broadbent und den anderen wirklich erstklassige Musiker dabeizuhaben.

ZEIT online Der Jazz-Trompeter und Produzent Till Brönner ist der mit Abstand erfolgreichste deutsche Jazzmusiker, nicht nur was seine Plattenverkäufe betrifft. Wenn er spielt, füllt sich die Berliner Philharmonie bis auf den letzten Platz. Darüber hinaus hat er bereits sehr einfühlsam mit Sängern gearbeitet, wie mit Hildegard Knef. Hat Sie vor allem das überzeugt?

Quasthoff Wir sind sozusagen gleichzeitig aneinander herangetreten. Ich habe ein Live-Konzert gegeben zugunsten des Alternativen Nobelpreises in Berlin mit Musikern der Berliner Philharmoniker, die auch eine Jazzband haben. Till war in diesem Konzert und kam danach hinter die Bühne und sagte, das sei einfach fantastisch gewesen. Und ich konnte es erst gar nicht glauben, weil man natürlich in einem Genre, das man nicht permanent selbst bearbeitet, immer ein bisschen skeptisch ist und vorsichtiger. Dann sagte er, wir müssten unbedingt etwas zusammen machen. Und da er nun ein Künstler von Universal Music ist, so wie ich, war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann das Projekt stand.

ZEIT online Wie sind Sie zum Jazz gekommen?