Nach Angaben der Polizei warf der 43-jährige Uwe K. sich in der vergangenen Nacht in Schkeuditz bei Leipzig - etwa 200 Meter vom Fundort der Leiche entfernt - vor eine fahrende Straßenbahn. Er kam mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus, ist aber außer Lebensgefahr. Der mehrfach vorbestrafte Mann soll Mitja sexuell missbraucht und anschließend erstickt haben. Die Leiche wurde in dessen Gartenlaube gefunden.

"Der Tatverdächtige war trotz schwerer Verletzungen ansprechbar und ist eindeutig identifiziert", sagte ein Polizeisprecher. Ob er noch am Donnerstag vernommen werden kann, hängt von der Einschätzung der Mediziner ab. "Den lassen wir jetzt keine Sekunde aus den Augen", sagte Polizeipräsident Rolf Müller.

Das Ergreifen bewertet die Polizei als einen Erfolg der massiven öffentlichen Fahndung. Seit dem Fund der Leiche am vergangenen Samstag hatte die Polizei nach dem mutmaßlichen Täter mit Hilfe von Presse und Fernsehen gesucht. Er war auf dem Foto einer Überwachungskamera in einer Straßenbahn mit dem Jungen kurz vor dessen Tod zu sehen. Ein Gartennachbar hatte ihn daraufhin identifiziert.

Seit vergangenem Sonntag hatte es insgesamt 210 Hinweise aus der Öffentlichkeit gegeben, denen mehr als 100 Polizisten nachgegangen sind. "Das hat uns darin bestätigt, mit unserer Suche in dem Bereich nördlich von Leipzig zu verharren", sagte Polizeipräsident Müller. Die kontinuierliche Information der Bevölkerung über die Medien habe den hohen Druck aufrecht erhalten. "Wir waren im Indianerprinzip in den Bereichen rund um Schkeuditz immer präsent, so dass sich der Mann praktisch nirgends sicher fühlen konnte."

Die Spurensicherung wurde am Morgen abgeschlossen. Bei den Ermittlungen stellte sich heraus, dass der Gesuchte zwischen 1981 und 1998 bereits fünf Mal wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt worden war. Daraufhin waren erneut Forderungen nach härteren Strafen, lebenslangen Kontrollen und Sicherungsverwahrung für Triebtäter laut geworden.

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