Herr Naumann, wie geht es Ihnen als Retter der Hamburger Sozialdemokratie?

Gut. Aber ich bin nicht der einsame Reiter, wir retten uns alle zusammen. Und darauf habe ich Lust, ja Leidenschaft.

Aber die Partei liegt darnieder, eine Partei, die Jahrzehnte diese Stadt regiert hat, kommt nun nicht an Ole von Beust vorbei. Warum tun Sie sich so ein Himmelfahrtskommando an?

Ach, der Ole von Beust. Der ist ein sympathischer Mann. Aber etwas mehr Führung wäre schon schön.

Sie als Intellektueller haben diese Führungsstärke?

Ich kann kämpfen. Fair, aber hart. Die Hamburger mögen Anstand. Und ich bin ehrgeizig, als Basketballer bin ich früher nie in ein Spiel gegangen mit dem Gefühl, das kann ich nicht gewinnen.

Wie ist es überhaupt dazu gekommen, dass Sie es machen?

Der Geschäftsführer der SPD-Fraktion in Berlin, Olaf Scholz, hat mich gefragt. Ich habe das mit meiner Frau besprochen und der Berufungskommission gesagt: Wenn ich es mache, brauche ich eure Loyalität. Auch Kurt Beck hat mich angerufen und mir seine Hilfe zugesichert.

Nochmals, Hand aufs Herz, warum machen Sie es?

Weil ich Hamburg liebe. Ich bin seit 1971 mit Unterbrechungen in dieser Stadt. Ich schätze hier vieles: die Architektur, das Wasser, den Menschentypus, die Hamburger Solidität.

Klischees.

Nein, eben nicht. Die vordergründigen Tugenden dieser Stadt, ja die bürgerlichen Tugenden sind wahrhaftig. Hier gelten noch Handschläge, das schätze ich.

Werden Sie darauf Ihren Wahlkampf gründen?

Natürlich werde ich aussprechen und hervorheben, welche hervorragenden Tugenden diese Stadt hat. Aber es ist ja nicht so, dass es keine Probleme geben würde. Die soziale Schere klafft weit auseinander, die Zustände in den Schulen, Kitas und anderen Bildungseinrichtungen sind nicht gut. Daran werden wir alle gemeinsam arbeiten.