„Die CSU will Autos mit Verbrennungsmotoren verbieten. Die SPD verlangt von Flugreisenden einen Klima-Soli. Die Grünen wollen Flugbenzin besteuern, und Greenpeace will Billigflüge gleich ganz verbieten. Das Potsdamer Institut für Klimaforschung fordert die Bundesbürger auf, ihren Urlaub künftig an der Ostsee statt auf den Seychellen zu verbringen. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen schlägt als Ablasshandel für Pauschaltouristen vor: Halbpension mit Klimaschutz.“

So fasst die Frankfurter Allgemeine Zeitung die politischen Forderungen zur Verbesserung des Klimaschutzes vom Wochenende zusammen. Ein buntes Treiben also, nach dem Motto: Wo ein Politiker ist, ist auch eine neue Meinung. Das Problem dieses "Soundbite"-Journalismus, dieses In-den-Raum-Werfens aller möglichen Argumente, ist offensichtlich: Gehört werden lediglich einzelne Faktoren, Aufmerksamkeit wird auf konkrete Handlungsaufforderungen gelenkt. Ein notwendiges Gesamtkonzept gegen den drohenden Klimawandel kann so nicht entworfen oder vermittelt werden.

Dabei kann man froh sein, dass das Thema in seiner ganzen Bedeutung endlich auch die Politik erreicht hat. Wenige Tage vor dem EU-Gipfel versuchen die Außenminister der Mitgliedsländer an diesem Montag, einen Klimaschutz-Kompromiss vorzubereiten. Bundeskanzlerin Angela Merkel kündigte für die Ratspräsidentschaft bereits an: „Wir werden einen Aktionsplan für Klimaschutz und Energiepolitik verabschieden, und zwar so konkret, wie es ihn in der Geschichte der Europäischen Union noch nicht gegeben hat.“ So würden „zum ersten Mal Einzelziele festgelegt, mit denen man die Gesamtverpflichtungen zur Minderung der Treibhausgase bis 2020 umsetzen kann“. Es gebe inzwischen „ein gemeinsames Grundverständnis in der EU, dass wir eine Vorreiterrolle in der Welt einnehmen müssen, wenn wir auch international die Verpflichtungen anderer Länder wie der USA, China und Indien einfordern wollen“.

An diesem Punkt setzt die Bild -Zeitung an, um sich über den Märtyrer-Status Deutschlands populistisch zu erregen: „Sollen wir Deutsche die Erde alleine retten?“, fragt das Blatt auf dem Titel. Während USA, Russland und China weiter die Luft verpesteten, sollten wir gar auf unseren wohlverdienten Urlaub verzichten. Dass sinnvolles Engagement immer bei einem selbst beginnt, entgeht dem Blatt – genauso wie manchem Politiker - beispielsweise  EU-Industriekommissar Günter Verheugen, der ähnlich argumentiert.

Ebenfalls unbeachtet bleibt die Tatsache, dass unsere Bundeskanzlerin gewillt ist, eine internationale Lösung zu finden. Zunächst zwar nur für die EU. Ausbaufähig wäre der Gedanke allerdings weit darüber hinaus. Der Tagesspiegel findet das richtig: „Trotz aller wild entschlossenen Umwelt-, Flugreisen- und Glühbirnen-Anmerkungen einheimischer Spitzenpolitiker will die Bundesregierung das deutsche Verhältnis zum Klima keineswegs national klären.“ Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung hofft, dass Merkel in der EU forscher vorgehe als „in der weichgespülten Berliner Minimal-Konsens-Koalition“.