Wie heute in der Süddeutschen Zeitung zu lesen ist, wollen Unternehmen aus Deutschland, Frankreich und den Benelux-Staaten ihre Leitungen zusammenlegen und von einer unabhängigen Gesellschaft verwalten lassen. Dadurch hoffen die Konzerne, weiter Eigentümer ihrer Netze bleiben zu können, sich zugleich aber vor Sanktionen zu schützen. "Wir behalten das Eigentum an den Leitungen, schaffen aber selbst Wettbewerb", zitiert die Zeitung einen deutschen Energiemanager.

Ob das Vorhaben gelingt? Fest steht: Der EU-Kommission ist die marktbeherrschende Stellung der Stromriesen schon lange ein Dorn im Auge. Als ihre stärkste Kritikerin innerhalb der Behörde gilt Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes. Sie nutzte den Vorstoß der Konzerne heute, um erneut den zwangsweisen Verkauf der Netze zu fordern. Nur dann ließen sich die Strompreise senken, sagte ihr Sprecher. Kroes hat die Energiegiganten schon lange im Verdacht, ihre marktbeherrschende Stellung zu missbrauchen. Sie hat deshalb in der Vergangenheit Razzien gegen Eon, RWE, EnBW und Vattenfall veranlasst.

Die Unterstützung ihres Chefs scheint ihr dabei sicher. Kommissionspräsident José Manuel Barroso plädierte in der aktuellen Ausgabe des Handelsblatts erneut dafür, Netzbetrieb und Stromproduktion eigentumsrechtlich zu trennen. Auch Industriekommissar Günter Verheugen sprach sich am Dienstag für eine solche Lösung aus. "Ich halte das ordnungspolitisch für den einzig sinnvollen Vorschlag", sagte der SPD-Politiker. Die Kommission hatte eine strikte Trennung von Stromerzeugung und Netzen bereits im Januar vorgeschlagen - und dafür starken Gegenwind geerntet, vor allem aus Deutschland und Frankreich. In beiden Ländern haben einige der Großen aus der europäischen Strombranche ihren Sitz, etwa RWE , Eon , Gaz de France oder Electricité de France.

Wie die Süddeutsche schreibt, versucht die Energiebranche nun, bei anderen Europapolitikern Gehör zu finden, beispielsweise dem Energiekommissar Andris Piebalgs. Vielleicht sind die Erfolgschancen der Konzerne dabei gar nicht so schlecht, denn die Mitarbeiter der Kommission sind sich offenbar - trotz der kämpferischen Äußerungen Barrosos - nicht ganz einig, wie denn der Energiemarkt künftig zu regulieren sei.

Ganz im Gegensatz zum Handelsblatt meldet nämlich die Financial Times Deutschland in ihrer Dienstagsausgabe, in Brüssel hege man die Absicht, regionale Netzbetreiber zu schaffen. Die Struktur dieser regionalen Betreiber ähnelt verdächtig jener, welche die Energiekonzerne selbst via Süddeutsche in die Diskussion gebracht haben. "Das ist derzeit die wahrscheinlichste Option", zitiert das Blatt eine nicht näher charakterisierte Quelle aus dem "Umkreis" Barrosos. Damit rücke die Kommission von ihren Plänen ab, die Konzerne zu zerschlagen. Auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung hatte am Montag Ähnliches berichtet.

Barroso und Kroes erhalten derweil ungeahnte Schützenhilfe vom Rande der energiepolitischen Arena. Auch ein Energie-Experte der Deutschen Bank fordert in einer aktuellen Studie , die Strom- und Gasriesen zu zerschlagen. Auf dem Strommarkt fehle es an Wettbewerb, schreibt Josef Auer, Mitarbeiter der Forschungsabteilung der Bank, in seinem Papier.