Lewis Libby muss in den Knast. Der frühere Stabschef von US-Vizepräsident Dick Cheney hat, so befand die Jury, unter Eid gelogen und sich der Behinderung der Justiz schuldig gemacht. Das Strafmaß ist noch nicht verkündet. Das Maximum wären 25 Jahre, doch ganz so lange wird Libbys Haft wohl nicht dauern. Viel interessanter als die Frage nach der Strafe ist jedoch: Was bedeutet das Urteil für das Weiße Haus?

Der Schuldspruch der Jury, nach zehntägiger Beratung gefällt, hält offiziell fest: Libby hat mit Journalisten über die CIA-Agentin Valerie Plame gesprochen, diese dadurch enttarnt und dann gegenüber einer Grand Jury und dem FBI gelogen. Was den Fall zum Politikum macht, ist seine Verwicklung mit dem Irakkrieg und Saddam Husseins angeblichen Massenvernichtungswaffen - mit den Kriegslügen der Regierung Bush also. Das Urteil kommt ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem Bush dafür wirbt, noch mehr Truppen in den Irak zu schicken.

Die Vorgeschichte: Im Sommer 2003 hatte Plames Ehemann, der Ex-Diplomat Joseph Wilson, in der New York Times geschrieben, Saddam Hussein wolle in Afrika keinesfalls waffenfähiges Uran kaufen. Wilson klang glaubwürdig, denn er hatte Afrika kurz zuvor selbst bereist. Die Bush-Regierung aber hatte Saddams Kaufabsichten fest behauptet - unter Berufung auf Dokumente, die, wie wir heute wissen, gefälscht waren.

Aus Rache und um Wilson zu diskreditieren, so glauben Bush-Gegner, sei Valerie Plame daraufhin gegenüber mehreren Journalisten als CIA-Agentin enttarnt worden. Das habe ihre Karriere beendet und die CIA-Tarnfirma Brewster-Jennings kaltgestellt, in deren Auftrag sie illegalen Waffentransfers nachspürte. Libby sei dabei Cheneys williger Vollstrecker gewesen. Wilson und seine Frau haben Zivilklage gegen den Vizepräsidenten eingereicht.

Das Urteil gegen Libby, so hoffen nun dieselben Bush-Gegner, ist nur der erste Schritt. Sie wollen, dass sich auch Bushs rechte Hand Karl Rove in der Angelegenheit verantworten muss, natürlich Cheney selbst und die Mitarbeiter des „ Office of Special Plans“ , ein klandestines Büro des Pentagons, aus dessen Dunstkreis die gefälschten Dokumente aus Afrika stammen. Letztlich geht es aber um den Präsidenten selbst. Auch in der Jury glaubten einige, Libby sei bloß der "Fall Guy" , das Bauernopfer.

Doch ob der Schuldspruch gegen Libby wirklich weitere Kreise ziehen wird, ist noch lange nicht klar. Zwar ist die Blogosphäre in heller Aufruhr. Viele Blogger sehen vor ihrem inneren Auge schon das Weiße Haus gestürmt wie einst die Bastille in Paris. Doch Patrick Fitzgerald, der ermittelnde Staatsanwalt, hat seine Ermittlungen bereits für abgeschlossen erklärt. Eigentlich gilt Fitzgerald als harter Hund. Doch er sagte, er habe rechtlich nicht die Möglichkeit, Berichte über weitere Beteiligte zu veröffentlichen, die nicht verurteilt worden seien. Fast schien es, als würde er gerne hinzufügen: Leider.