Einstimmig hat sich die Findungskommission der Hamburger SPD für Henning Voscherau als Spitzenkandidaten für die Bürgerschaftswahl im Jahr 2008 ausgesprochen. Voscherau amtierte bereits von 1988 bis 1997 als Erster Bürgermeister der Hansestadt.

Voscherau hat sich bereits am Wochenende mit der Findungskommission zu Sondierungsgesprächen getroffen. Dem Gremium gehören neben dem kommissarischen Landesvorsitzenden Mathias Petersen und seiner Stellvertreterin Dorothee Stapelfeldt die sieben SPD-Kreisvorsitzenden an.

Der von seinen Vorstandskollegen zuletzt scharf kritisierte Petersen hatte zuvor seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur sowohl für den Parteivorsitz als auch die Spitzenkandidatur bekannt gegeben. Inzwischen spricht er sich nach einigem Zögern ebenfalls für seinen früheren Förderer Voscherau aus.

Voscherau schrieb in einer Erklärung, die im Hamburger Abendblatt abgedruckt ist, dass der Spitzenkandidat für die gesamte Legislaturperiode antreten müsse. Im Vorfeld war eine Variante ins Spiel gebracht worden, wonach sich Voscherau im Falle eines Wahlsieges nach zwei Jahren vom Amt des Bürgermeisters zurückziehen könnte, um einem jüngeren Nachfolger Platz zu machen. Der 65-Jährige schrieb zudem, dass er seine Entscheidung auch von Gesprächen mit seiner Familie abhängig machen wolle.

Die Benennung eines Spitzenkandidaten wäre für die Hamburger SPD ein Schritt heraus aus ihrer schweren Führungskrise, nachdem am vergangenen Mittwoch der gesamte Landesvorstand zurückgetreten war. Die Parteiführung übernahm mit dieser Entscheidung die Verantwortung für die chaotische Mitgliederbefragung Ende Februar. Bei der Befragung waren etwa 1000 Briefwahlstimmen verschwunden, sie wurde daher abgebrochen und für nichtig erklärt.

Der künftige Spitzenkandidat wie auch der neue Landesvorstand sollen nun auf einem außerordentlichen Landesparteitag am 24. März offiziell gewählt werden. Wer die Parteiführung übernehmen soll, ist nach wie vor noch unklar.

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