Dass es an diesem Freitag im Bundestag nicht nur um sechs deutsche Tornados und 500 zusätzliche Soldaten geht, die den Süden Afghanistans aufklären sollen, das wissen wohl alle Abgeordneten. Nicht nur um ein halbes Dutzend Flugzeuge, mit Infrarotkameras und guter Tiefflugfähigkeit, die die Grenze zu Pakistan überwachen, die aus der Luft militärische Ziele erkunden und mit ihren scharfen Bildern helfen sollen, den Süden des Landes vor Anschlägen der Taliban zu schützen. Es geht um mehr als dies. Und das liegt nicht nur daran, dass am Tag vor dieser Bundestagsentscheidung im Norden Afghanistans ein deutscher Entwicklungshelfer ermordet wurde.

"Ist Afghanistan noch zu helfen", fragte die Süddeutsche Zeitung am Morgen vor der Debatte. Schaut man nur auf das Ergebnis der Abstimmung, dann haben die Abgeordneten diese Frage mit großer Mehrheit bejaht. 405 Abgeordnete stimmten für den Einsatz. Eine große Mehrheit unterstützt die Ausweitung des Isaf-Mandats der Bundeswehr.

Die Flugzeuge werden zwar im Norden des Landes stationiert, aber sie sollen vor allem den Süden überwachen. Jenen Teil des Landes, in dem die Taliban wieder an Einfluss gewonnen haben, wo die Soldaten der Internationalen Schutztruppe unter Druck stehen und wo vor ein paar Tagen eine militärische Offensive von Nato-Einheiten begonnen hat.

Doch die Skepsis hat zugenommen, das ist deutlich zu spüren. Die Angst davor, dass die Bundeswehr an der Seite der USA immer tiefer in einen militärischen Konflikt hineingezogen wird, den sie nicht gewinnen kann, ist unter den Abgeordneten groß. Die Zweifel, ob Afghanistan tatsächlich noch zu helfen ist, haben die Mitte des Parlaments erreicht. Sogar das Bösewort von den "Durchhalteparolen" fällt.

Skepsis, Angst und Zweifel sind nicht zu überhören, wenn der CDU-Politiker Eckardt von Klaeden sagt: "Es bleiben uns realistischerweise noch 18 bis 24 Monate, um den Trend der Destabilisierung zu stoppen." Sie ist auch dann zu spüren, wenn der SPD-Außenpolitiker Gert Weisskirchen mahnt, das "Leid der Menschen" und die "Verbrechen der Taliban" nicht zu vergessen. Sie ist vor allem dann zu spüren, wenn der FDP-Politiker Werner Hoyer sagt: "Viele Kollegen fürchten die schiefe Ebene" und "deshalb müssen wir aufpassen, das wir nicht in etwas hineinrutschen, dass wir nicht mehr beherrschen" und anschließend sogar fragt: "Stehen wir möglicherweise vor dem Scheitern?"

Scheitern? Es gibt in diesen Tagen wohl kaum einen Abgeordneten, der sich diese Frage nicht gestellt hat. Die SPD-Fraktion beispielsweise hat ausführlich über Afghanistan diskutiert. Das Ergebnis hat die Fraktionsführung erschreckt, ein "ausgesprochenes Misstrauen gegen die Amerikaner" war dort artikuliert worden und auch die Angst vor einem "deutschen Vietnam". 69 SPD-Abgeordnete stimmten schließlich gegen den Tornado-Einsatz, etwa ein Drittel der Fraktion.