Auf einer Internetseite von Islamisten ist nach dem Video mit der Todesdrohung gegen zwei im Irak entführte Deutsche ein weiteres Video aufgetaucht. Darin wird von einer bisher unbekannten Organisation namens "Stimme des Kalifats" abermals der deutsche Abzug aus Afghanistan gefordert. Zu diesem neuen Band liegt bisher noch keine Stellungnahme vom Verteidigungsministerium in Berlin vor. Spezialisten der Bundesregierung seien dabei, das neue Video auszuwerten, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes am Sonntag.

In der Aufzeichnung wird neben Deutschland auch Österreich mit Angriffen gedroht, falls sie ihre Soldaten nicht aus Afghanistan zurückziehen. Das Band zeigt einen maskierten Sprecher der Gruppe, der beide Länder auffordert, die Amerikaner nicht länger zu unterstützen. Der Sprecher fragt rhetorisch, ob es denn wert sei, die wirtschaftliche Stärke und die Sicherheit Deutschlands für "Bush und seine Bande" aufs Spiel zu setzten. Der Sprecher drohte mit einer Frühjahrsoffensive in Afghanistan, "die die gesamte Welt noch vor ihrem Beginn in Schrecken versetzen werde". Auf dem Video waren auch deutsche Soldaten in Afghanistan zu sehen.

Ein erstes Video mit einer Botschaft deutscher Geiseln im Irak war am Samstag auf einer Islamisten-Internetseite aufgetaucht. Darin bittet die verschleppte 61 Jahre alte Hannelore Marianne K. Bundeskanzlerin Angela Merkel unter Tränen um Hilfe. Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte noch am Samstag versichert, die Bundesregierung werde nichts unversucht lassen, um die beiden entführten Deutschen freizubekommen.

Die Deutsche, die mit einem irakischen Professor verheiratet ist, fleht in dem Video mit tränenerstickter Stimme: "Wir sind doch auch Deutsche." Die 61-Jährige sagt weiter: "Ich bin hier festgehalten worden schon seit einer ganzen Weile, und ich bitte sie (Bundeskanzlerin Angela Merkel), mir zu helfen. Diese Leute hier wollen meinen Sohn vor meinen Augen umbringen und hinterher mich. Ich möchte nicht auf diese Art und Weise sterben."

Neben der Frau mit einem lose umgebundenen Kopftuch kauert in der Aufnahme ihr erwachsener Sohn, dessen Hand sie während der ganzen Zeit hält. Von dem Sohn ist an einer Stelle ein Schluchzen zu hören. Die Frau spricht in deutscher Sprache. Im Krisenstab des Auswärtigen Amtes werde jetzt das Video analysiert, sagte Steinmeier. Die Aufzeichnung nannte er "ein erschütterndes Dokument".

Einer der drei vermummten und bewaffneten Männer, die hinter den Geiseln stehen, verliest eine Erklärung in arabischer Sprache. Darin heißt es unter anderem: "Wir geben der deutschen Regierung zehn Tage vom Datum der Veröffentlichung dieser Botschaft an, um mit dem Abzug ihrer Truppen aus Afghanistan zu beginnen, danach werden wir keine Verantwortung mehr übernehmen und nicht einmal eine Leiche eines dieser Agenten (die Geiseln) wird gefunden werden. Gott ist groß und die Ehre ist für den Islam und die Muslime." Der Entführer behauptet weiter, die Bundeswehr bombardiere in Afghanistan Zivilisten in ihren Dörfern.