Wieder einmal standen Kick-Back-Provisionen im Mittelpunkt eines Gerichtsprozesses, und wieder einmal kassierte die Finanzindustrie eine Niederlage. Nach einem aktuellen Urteil des Bundesgerichtshofs müssen Banken, die ihre Kunden über Kapitalanlagen beraten und ihnen dabei Fondsprodukte empfehlen, Provisionen der Fondsgesellschaften aus Ausgabeaufschlägen und jährlichen Verwaltungsgebühren offenlegen.

Solche Zahlungen werden dafür geleistet, dass ein Finanzverkäufer - etwa eine Bank oder ein Vermögensverwalter - einen bestimmten Fonds empfiehlt. Im Branchenjargon ist so etwas als "Kick-Back-Zahlungen" bekannt. Nun haben die obersten Richter einen entsprechenden Streitfall zur Neuverhandlung ans Oberlandesgericht München zurückverwiesen.

Mit ihrem Urteil legen sie Richter den Finger in eine Wunde, die sowohl den Fondsgesellschaften wie auch den Anlegern Schmerzen bereitet. Der immer schärfer werdende Wettbewerb unter den Fondsanbietern hat nämlich nicht dazu geführt, dass der Anleger von niedrigeren Kosten und günstigeren Angeboten profitiert - eher im Gegenteil: Schon seit einigen Jahren beobachten Branchenexperten wie die britische Fondsanalyseagentur Lipper Fitzrovia steigende Gesamtkosten bei Investmentfonds.

Dieses Paradox hat eine einfache Ursache: Die Fondsanbieter kämpfen nicht um den Anleger, sondern um Vertriebspartnerschaften. In den allerwenigsten Fällen sucht sich nämlich der private Anleger nach sorgfältigem Vergleich den aussichtsreichsten Fonds und den günstigsten Vertriebsweg selbst aus. Ganz im Gegenteil, fließen neue Mittel dann in einen Fonds, wenn der Vertrieb aktiv verkauft - und das findet in aller Regel entweder am Bankschalter oder über Finanzvertriebe wie AWD, MLP oder DVAG am Wohnzimmertisch des Kunden statt.

Das bedeutet jedoch, dass die mächtigen Vertriebsorganisationen praktisch die Konditionen diktieren, zumindest so lange, bis die Schmerzgrenze beim Anleger erreicht ist. Das dürfte beim Ausgabeaufschlag mittlerweile der Fall sein, wo die marktüblichen fünf bis sechs Prozent beim Aktienfonds in der Abrechnung bereits deutliche Differenzen zwischen Kaufpreis und Guthaben verursachen.

Anders hingegen bei der so genannten Bestandsprovision, die jährlich aufs Neue aus den Verwaltungsgebühren des Fonds gezahlt wird. Diese Zahlungen reduzieren die Nettorendite für den Anleger, doch werden sie nur in den seltensten Fällen gesondert ausgewiesen.