Wir können den Krieg gegen die Taliban gewinnen, verkündete General David Richards, Oberbefehlshaber der Nato-Streitkräfte in Afghanistan, im Januar. Die Nato müsse allerdings den Ernst der Lage begreifen und mehr Truppen und Geld bereitstellen.

Es fällt schwer, den verhaltenen Optimismus zu teilen, der aus diesen Worten spricht. In Afghanistan bietet die Nato ein klägliches Bild. Die mächtigste Militärallianz der Welt, zu der die Supermacht Amerika zählt und die aus dem Kalten Krieg als Sieger hervorging, hat es unter Ächzen und Stöhnen gerade mal geschafft, 35.000 Soldaten für den Krieg gegen die Taliban aufzubieten.

Dabei handelt es sich bei dem Waffengang in Afghanistan um einen "guten Krieg". Nach den Terroranschlägen des 11. September war ein großer Teil der Welt damit einverstanden, die Gastgeber von Osama Bin Laden und al-Qaida zu entmachten. Die UN segnete den Angriff ab, die Europäer zogen an einem Strang, Natotruppen begannen eine neue Ordnung zu schaffen, nachdem das Talibanregime im Jahre 2002 rasch und vernichtend geschlagen worden war. In Kabul konnte sich eine demokratisch gewählte Regierung etablieren, wenn auch ihr Einfluss beschränkt blieb; zumindest besaß sie Legitimität.

Vergangene Woche kam es am Eingang des amerikanischen Stützpunktes Bagram, auf dem just zu dem Zeitpunkt Amerikas Vizepräsident Dick Cheney weilte, zu einem Selbstmordattentat. Die Explosion erzielte die beabsichtigte politische Wirkung. Sie machte allen voran dem Volk der Afghanen klar, dass die Nato weit davon entfernt ist, die Lage im Griff zu haben.

Verschiedene Gründe lassen sich dafür anführen: Die ungebrochene Macht diverser Warlords und alter Machtträger; der Rückzug der pakistanischen Armee aus den Grenzgebieten und die ambivalente Rolle von Pakistans Geheimdienst und Militär, denen man klammheimliche Unterstützung der Taliban nachsagt.

Der Krieg im Irak lenkte von Afghanistan ab und führte dazu, dass man nach der Niederlage der Taliban die entscheidend wichtigen Infrastrukturprojekte vernachlässigte. Auch führte der Irakkrieg zur offenen Kluft innerhalb der Nato-Allianz; die Kontinentaleuropäer waren noch weniger bereit, sich ernsthaft militärisch zu engagieren. Was das unerfreuliche Gerangel in der Nato verschärfte: Einzig die Truppen Amerikas, Großbritanniens, Kanadas und vielleicht noch Hollands sind bereit zu kämpfen, während Deutschland und andere Kontinentaleuropäer vor allem bestrebt scheinen, ihre Soldaten nicht gefährlichen Kämpfen auszusetzen.