Nach wochenlangem Machtkampf haben Finanzchef Mathias Hlubek und sein Vorstandskollege Matthias Ganz ihr Amt niedergelegt. "Die Dienstverträge wurden in freundschaftlichem Einvernehmen aufgehoben", ließ die Deutsche Börse am späten Mittwochabend in einer Pressemitteilung wissen. Francioni werde nun den Bereich Hlubeks zusätzlich zu seinen Aufgaben übernehmen. Die Arbeit von Ganz, der für den Bereich "Operations" zuständig war, werde unter den übrigen Vorständen aufgeteilt.

Mit dem Abgang von Hlubek und Ganz wird eine Neuorganisation der Frankfurter Börse wahrscheinlicher. Profitorientierte Hedgefonds spekulieren schon lange darauf - und scheinen ihrem Ziel knapp zwei Jahre nach dem Sturz der damaligen Börsenführung näher zu kommen. Allerdings wird am Finanzplatz Frankfurt vor einer Zerschlagung des Konzerns gewarnt.

Schon Ende Februar, als Francioni die Rekordbilanz für 2006 präsentierte, hatten sich Großaktionäre der Börse zu Wort gemeldet. In einem offenen Brief an Aufsichtsratschef Kurt Viermetz forderte der US-Hedge-Fonds Atticus Capital, das Unternehmen solle sich sofort von seiner Abwicklungssparte Clearstream trennen. Bislang punktet die Deutsche Börse gegen die internationale Konkurrenz auch deshalb, weil sie ihren Kunden ein umfassendes Angebot bietet: vom Handel mit Aktien über den Terminmarkt Eurex bis zur Verwahrung von Wertpapieren. Clearstream hat daran wesentlichen Anteil.

Zwar versicherte Francioni öffentlich, eine Abspaltung von Konzernteilen wie Clearstream komme nicht infrage. "Vorstand und Aufsichtsrat sowie die große Mehrheit des durch die Aktionäre vertretenen Kapitals" seien überzeugt, "dass das Ganze mehr wert ist als die Summe der Teile." Intern jedoch wird dem Vernehmen nach seit Wochen an der Umstrukturierung der Gruppe in eine Holding mit mehreren separaten Tochterunternehmen gefeilt. Dabei soll es auch um eine straffere Organisation der bislang fünfköpfigen Führungsriege gehen, die Francioni von seinem Vorgänger Werner Seifert geerbt hatte.

Geerbt hat Francioni auch die kritischen Aktionäre. Laut Seifert verkündete der Hedge-Fonds TCI bereits im Frühjahr 2005 seinen "unheilvollen Plan", "das Unternehmen auseinanderzureißen". In seinem Buch Die Invasion der Heuschrecken schreibt der Ex-Börsenchef, TCI-Manager Christopher Hohn habe etwa vorgeschlagen, Clearstream zu verkaufen: "Die Summe der Einzelteile der Deutschen Börse wäre demnach wertvoller als das Unternehmen in einem Stück." Seifert hatte im Mai 2005 den Kampf mit den aufständischen Großaktionären aufgegeben und war zurückgetreten.

Nun erlebt auch Francioni, dass vor allem angloamerikanische Anleger sich zunehmend in die Ausrichtung seines Unternehmens einmischen. So lobt Atticus zwar das seit Jahren "beeindruckende" Wachstum des DAX-Konzerns. Doch das Unternehmen sei "dramatisch unterbewertet", die Ausschüttungen an die Aktionäre "zu konservativ".