Für den deutschen Fußball war die vergangene Woche wegweisend, gleich zwei deutsche Vereine setzten den Spaniern sportliche Grenzen: Bayern schoss Real Madrid aus der Champions League, Werder besiegte Celta de Vigo in der Hinrunde des Uefa-Cup-Achtelfinales. Nur Leverkusen muss gegen starke Franzosen aus Lens im Rückspiel noch zulegen. Eine wegweisende Woche war es aber auch für die Politik. Erst die Rente mit 67, dann endlich der Tornado-Abflug nach Afghanistan und schließlich wird Deutschland dank Merkel auch noch Europameister der Klimaretter. Zum Viertelfinalspiel der Champions League Anfang April will Bayern München übrigens mit dem Zug nach Mailand reisen, um die CO 2 -Bilanz des Teams ein wenig aufzubessern.

In der Bundesliga durften die Bayern nach Podolskis Tor nur bis zur 66. Minute von der Meisterschaft träumen. Dann schlug Werder Bremen zurück. Unentschieden lautet das pauschale Ergebnis des Spieltags, von Schalke 04 bis Hannover 96 marschierten die ersten sieben Mannschaften der Liga im Ein-Punkte-Gleichschritt vorwärts – und München liegt weiter sechs Punkte hinter der Spitze.

Vor allem die Gelsenkirchener gaben sich einmal mehr alle Mühe, im Kampf um die Meisterschaft der Herzen am Ball zu bleiben. War vielleicht doch etwas zu früh, die unbenutzten Meistergirlanden von 2001 schon aus dem Keller zu holen. Obwohl Halil Altintop in Hannover schon in der zweiten Minute den Führungstreffer erzielte, reichte es nicht zum Sieg. Denn dann kam Michael "Tanne" Tarnat, der derzeit älteste Feldspieler in der Liga. Der 37-Jährige stocherte den Ball für Hannover zum Ausgleich ins Netz, weil der Youngster Manuel Neuner im Tor der Schalker den Ball nicht festhalten konnte. Nach vier Minuten war das Spiel gelaufen, anschließend konnten die Hannoveraner 86 Minuten lang gemächlich über den Platz traben und ihren Fußballrentner Tarnat schonen.

Womit wir beim Renteneintrittsalter für Fußballspieler wären. Bis zum 67. Lebensjahr halten die Profis nicht durch, nicht einmal Lothar Matthäus schaffte dies. Anders als Dachdecker und Krankenschwestern müssen die Herren Profi-Fußballer auch nicht so lange spielen, um ihre Rente zu sichern. Aber eine Frage muss doch erlaubt sein: Gibt es ein Fußballer-Rentenalter? Oder anders gefragt, hätte Bayern München mit Michael Rensing im Tor gegen Werder Bremen gewonnen? Oliver Kahn ist schließlich noch vier Monate älter als Michael Tarnat. Und noch ein bisschen langsamer.

Auf jeden Fall kam er zu spät aus seinem Tor, und war damit schuld am Bremer Ausgleichstreffer. Ein langer Pass von Torsten Frings aus der eigenen Hälfte, Kahn reagiert zu langsam, Hugo Almeida lupft, Markus Rosenberg köpft. Schon steht es eins zu eins. Anschließend ließ sich Kahn den Rücken massieren, Verspannungen kommen vor bei älteren Herren. Trotzdem sieht der Ex-Titan vermutlich erst dann ein, dass er zu alt ist für die Linie, wenn der Bundestag eine Altersbegrenzung für Bundesliga-Spieler beschlossen hat.

In der Politik dagegen glühen die alten Eisen heller denn je. Der 63-jährige CSU-Politiker Günther Beckstein will im Herbst Ministerpräsident in Bayern werden und hält sich überhaupt nicht für eine Übergangslösung. Der 65-jährige Sozialdemokrat Michael Naumann stürzt sich wie ein Jungspund in den Hamburger Bürgerschaftswahlkampf und legt sich als erstes mit 17 Millionen Ostdeutschen an. Solidarpakt für den Aufbau Ost, davon hält Naumann gar nichts. Alemannia Aachen übrigens auch nicht. Für die Niederlage gegen die Wessis konnte der Cottbusser Torhüter Tomislav „Fliegenfänger“ Piplica diesmal allerdings nichts - obwohl er noch zwei Monate älter ist als Kahn. Rente mit 37? Von wegen.