Sao Paulo. Viele schöne Worte, das übliche allgemeine Verkehrschaos wegen der strengen Sicherheitsvorkehrungen und wenig konkrete Ergebnisse: So dürfte die Bilanz der achten und bisher ausgedehntesten Lateinamerika-Reise des US-Präsidenten Georg W. Bush ausfallen, deren offizieller Teil am Freitag mit einem Treffen zwischen Bush und seinem brasilianischen Amtskollegen Lula da Silva in Sao Paulo beginnt. Freundliches Willkommen: Karikaturen von US-Präsident Bush in Medellin, Kolumbien

Schon vor seiner Landung am Donnerstagabend wurde der Besuch von Straßenprotesten überschattet. In Sao Paulo, der größten Stadt des Landes, gingen nach offiziellen Angaben mehr als 6000 Menschen auf die Straße, um gegen Bush zu demonstrieren. Bei dem zunächst friedlichen Protestmarsch forderten sie unter Trommelklängen ein Ende des Irak-Kriegs und bezeichneten den Präsidenten als Umweltverschmutzer. Zu Zusammenstößen mit der Polizei kam es später, als eine Gruppe von linksgerichteten Jugendlichen Steine auf die Sicherheitskräfte warf. Diese reagierten wiederum mit Tränengas. Einige Menschen wurden verletzt.

Der Aufenthalt in Brasilien ist die wichtigste Station auf Bushs Reise. Im Mittelpunkt steht eine geplante Allianz zwischen beiden Ländern zur Schaffung eines Weltmarktes für Biotreibstoffe, vor allem für Ethanol. Brasilien und die USA produzieren zusammen 70 Prozent des weltweit verkauften Ethanols. Brasilien gewinnt den Treibstoff vor allem aus Zuckerrohr, die USA aus Mais. Doch während die USA ihren eigenen Bedarf nicht decken können, exportiert Brasilien einen Großteil seiner Produktion, vor allem in andere lateinamerikanische und afrikanische Staaten.

Die Produktion ist sehr arbeitsintensiv, könnte also einen großen Beitrag zur Armutsverringerung in Lateinamerika leisten. Gleichzeitig würde sie die Abhängigkeit Amerikas vom Öl verringern. Nach Einschätzung politischer Beobachter geht es aber auch darum, den Einfluss des linkspopulistischen venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez zu mindern, der seine Politik einer Einigung Lateinamerikas unter linkem Vorzeichen betreibt. Vor allem mithilfe von Dollar-Milliarden, die er durch Öl-Exporte in die USA einnimmt.

An Bushs nächsten Stationen Uruguay und Kolumbien wird es sicherlich auch um Biotreibstoffe, vor allem aber um bilaterale Freihandelsabkommen gehen. Mit Kolumbien hat die US-Regierung schon ein Freihandelsabkommen unterzeichnet, das der Kongress allerdings noch ratifizieren muss. Uruguay hat ebenfalls an einer Aufnahme von Freihandelsverhandlungen Interesse gezeigt.

In erster Linie geht es Bush aber wohl auf der ganzen Reise darum, mit einer Charme-Offensive und viel Publicity am Ort denjenigen Kritikern im eigenen Land und in Lateinamerika entgegenzutreten, die ihm vorwerfen, seinen Vorhof vernachlässigt und den Aufstieg von unberechenbaren Zeitgenossen wie Chávez zugelassen zu haben, der mit seinen Petrodollars auch andere Länder der Region auf eine Anti-Bush-Linie zu trimmen sucht. Auf seiner Reise durch Brasilien, Kolumbien, Uruguay, Guatemala und Mexiko will der US-Präsident also vor allem Partner finden, um Venezuelas Präsidenten in seine Schranken zu weisen.

Immerhin kann sich Bush großer medialer Aufmerksamkeit sicher sein. Die Reise wird in der lateinamerikanischen Presse seitenweise besprochen und analysiert. Was zur Folge hat, dass ein anderer hoher Besuch in der Region praktisch unbemerkt blieb: In den brasilianischen Zeitungen etwa kündigte gerade mal eine kleine Notiz an, dass auch der deutsche Bundespräsident Horst Köhler sich in diesen Tagen im Land aufhält.

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