Manchmal fühlt sich Franziska Trabold ein bisschen einsam. In Arbeitsgruppen und Seminaren ist die Studentin der Universität Karlsruhe oft die einzige Frau. Deutschlandweit sind Informatik-Studentinnen selten. Ihr Anteil lag im Wintersemester 2005 bundesweit gerade mal bei 15 Prozent. Die 21-Jährige hat gewusst worauf sie sich einlässt, denn die Situation ist seit Jahren die gleiche. „Aber ein typischer Frauenstudiengang wäre nicht das Richtige für mich gewesen“, sagt sie. Klicken Sie auf das Bild, um die Grafik zu vergrößern

Informatik-Studiengänge haben ein Imageproblem, da ist die schlechte Frauenquote nur ein Aspekt. Dabei ist es noch gar nicht lange her, dass es einen regelrechten Run auf das Fach gab. Damals sahen viele Studienanfänger in der Informatik die Eintrittskarte zu gut bezahlten dot.com-Jobs: Auf dem Höhepunkt des Internet-Booms im Jahr 2000 schrieben sich 38.000 für einen Informatikstudiengang ein. Die Internet-Blase ist geplatzt, und die letzten Jahre sah es auf dem Arbeitsmarkt weniger rosig aus. Die Zahl der Studienanfänger ging zurück, 2005 entschieden sich noch knapp 30.000 Schüler für ein Studium im Bereich Informatik.

„Viele setzen Informatiker immer noch mit dem Hacker im stillen Kämmerlein gleich“, sagt Matthias Jarke, Informatik-Professor an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen und Präsident der Gesellschaft für Informatik (GI). „Wer heute als Informatiker arbeitet, muss weltweit kommunizieren und zu interdisziplinärer Arbeit fähig sein.“ Auch Franziska Trabold hat immer wieder mit falschen Vorstellungen zu tun: „Es kommt nicht darauf an, einzelne Programme oder Betriebssysteme bedienen zu können“, sagt die Studentin, „vielmehr sind logisches Denken, kreative Lösungsstrategien und Teamarbeit gefragt.“

Also keine typisch männlichen Fähigkeiten. Für die junge Informatikerin liegt der Grund dafür, dass sich so wenige Mädchen und Frauen für das Fach interessieren, schon in der Schule. „In der Mittelstufe bin ich mit einer Freundin in die Informatik-AG gegangen, und die Jungs haben sofort versucht, uns rauszuekeln.“ Die Freundin verlor die Lust, Franziska Trabold biss sich durch. Sie blieb das einzige Mädchen in der AG. Nach dem Wechsel auf ein technisches Gymnasium saß sie immerhin mit fünf anderen Frauen zusammen im Informatik-Leistungskurs.

Das Image ist schlecht, aber die Rahmenbedingungen sind gut. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt für Informatiker hat sich deutlich aufgehellt. Der Branchenverband Bitkom meldet bereits Fachkräftemangel. 20.000 Stellen seien in Informationswirtschaft und Telekommunikation derzeit unbesetzt. Knapp zwei Drittel der von Bitkom befragten Unternehmen planen, in diesem Jahr zusätzliche Mitarbeiter einzustellen. Die Firmen suchen vor allem Hochschulabsolventen. Quereinsteiger haben es deutlich schwerer. Die Daten der Bundesagentur für Arbeit bestätigen den positiven Trend auf dem Arbeitsmarkt. Zwischen Dezember 2005 und 2006 sank die Zahl der arbeitslosen IT-Fachleute stärker als der Durchschnitt. Auch der Index des Personaldienstleisters Adecco stieg. Dafür wertet das Unternehmen regelmäßig die Stellenanzeigen in 40 Zeitungen und Zeitschriften aus. Von März 2006 bis Februar 2007 veröffentlichten Privatwirtschaft und Staat 30 Prozent mehr Jobangebote für Computerfachleute als in den zwölf Monaten davor. Bald wieder volle Hörsäle im Bereich Informatik? BILD