Je nach Beruf und Tätigkeit fallen die Einkommensunterschiede anders aus. Das ergab die Onlinebefragung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, an der sich rund 68.000 Beschäftigte aus über 130 Berufen beteiligten.Beispielsweise erhalten Köchinnen 19 Prozent weniger Lohn als ihre Kollegen. Bei Maschinenbauingenieuren beträgt die Differenz 17 Prozent, bei Informatikern rund 10 Prozent. Eine Versicherungskauffrau verdient im Schnitt sogar rund 27 Prozent weniger als ihr männlicher Kollege.Dort, wo Stundenlöhne bezahlt werden, beträgt die Lohndifferenz zwischen den Geschlechtern sogar ein Viertel. Das geht aus einem Antrag zur beruflichen Gleichstellung von Frauen hervor, der am Donnerstag im Bundestag diskutiert wurde. Deutschland hat einen traurigen Spitzenplatz inne: Das Lohngefälle zwischen den Geschlechtern ist in Deutschland verglichen mit anderen EU-Ländern am größten, gefolgt von Zypern und der Slowakei.Dass Frauen allgemein im Durchschnitt weniger verdienen als Männer, hat auch andere Ursachen als nur Diskriminierung: Die häufigeren Berufsunterbrechungen, kürzere Berufserfahrung oder die partiell noch geringere Qualifikation erklären die Gehaltsunterschiede zum Teil, informiert die Böckler-Stiftung.Außerdem wählen Frauen noch immer gern Berufe, die vergleichsweise schlecht bezahlt sind. Die Hälfte der Frauen arbeitet in nur 5 von 87 Berufsgruppen: Jede zweite Frau hat entweder einen Büroberuf, eine Stelle im Gesundheitsdienst, im Verkauf, im sozialen Sektor oder in der Reinigung. Die traditionelle Berufswahl verfestigt die Einkommenskluft zwischen den Geschlechtern. Nach Berichten der Böckler-Stiftung sind die Tarife in "Männerbranchen" wie Chemie, Bau und Druck im Schnitt deutlich besser als in von Frauen dominierten Branchen.Zudem sind Frauen seltener als Männer in Führungspositionen vertreten: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hatte 2006 nur jede sechste berufstätige Frau einen Job mit viel Verantwortung. Bei den Männern war dieser Wert mehr als doppelt so hoch.Doch auch unabhängig von diesen Umständen gibt es eindeutige Differenzen bei der Entlohnung. In einem Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Freitagausgabe) sagte IG-Metall-Chef Jürgen Peters, Unternehmen würden sich "mit sehr viel Tricks" ihrer Verantwortung entziehen. Einer davon sei, typische Frauenarbeitsplätze auszuweisen, die niedriger entlohnt würden.Auch der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Reinhard Bispinck, sagt: "Zahlreiche Studien zeigen: Es gibt immer noch eine Lohndiskriminierung. Nach wie vor bekommen Frauen für die gleiche Arbeit weniger Geld als Männer."Und das, obwohl Frauen in der Bildung stark aufgeholt haben: In den Jahren 2005/2006 waren 54 Prozent der Abiturienten weiblich. 1970 lag ihr Anteil in Westdeutschland noch um 39 Prozent.Die Situation weltweit ist noch um einiges drastischer: "Trotz einiger Fortschritte bleiben immer noch viel zu viele Frauen auf den am schlechtesten bezahlten Tätigkeiten sitzen", sagte Juan Somavia, der Generaldirektor der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Eine neue Studie der UN-Organisation ergab, dass Frauen sich mit wenig produktiven, schlecht bezahlten Jobs abfinden müssen, vor allem in der Landwirtschaft und im Dienstleistungssektor. Im informellen Sektor sind sie darüber hinaus mit einem hohen Grad von Unsicherheit konfrontiert und erhalten nur unzureichendem rechtlichen Schutz und geringe oder gar keine Sozialversicherung.(dpa, www.frauenlohnspiegel.de, www.bundesregierung.de, www.ilo.org)