Wader: Bei der Aufnahme waren sie sehr wichtig, jeder von ihnen hatte eine Stimme. Ich habe die Lieder geschrieben und ihnen vorgestellt, sie haben dann spontan etwas dazu gespielt oder ein Arrangement geschrieben. Auf der Tour sind sie nicht dabei, das hat keine ästhetischen Gründe, sondern finanzielle. Ich kann es mir nicht leisten, meine Gage zu teilen.

ZEIT online: Aber es geht nicht nur um Altersvorsorge, wenn Sie auf Tour gehen?

Wader: Zu 50 Prozent geht es um Altersvorsorge. Ich habe lange Zeit schlecht gewirtschaftet. Als echter Achtundsechziger – als der ich mich empfand – war das Geld für mich bähbäh, etwas, das abgeschafft gehörte. Ich habe immer an dem Dilemma genagt, dass Ruhm nicht ohne Reichtum zu bekommen ist. Man kann nicht bekannt werden, ohne dass sich das Konto füllt. Selbst als Serienvergewaltiger kann man das nicht, dann kommen der Stern oder die Bunte und kaufen die Geschichte. Und schon ist man reich, ganz gleich was man macht. Für irgendjemanden hat der Name in der Öffentlichkeit immer einen merkantilen Wert, so ist das im Kapitalismus.

ZEIT online: Der Glaubwürdigkeit halber musste das Geld schnell weg?

Wader: Genau, die Kohle goss sich in Höllenströmen über mir aus. Jedenfalls für meine Verhältnisse. Und das musste weg. Und irgendwann hat das Geld mir das übel genommen, und ich stand plötzlich da mit zweieinhalb Millionen Schulden. Die habe ich inzwischen abbezahlt. Ich habe eine junge Familie, ich muss gesund bleiben und noch lange, lange singen. Aber es geht wirklich nicht nur darum. Ich freue mich auf meine Auftritte, wie ein Pferd, das lange im Stall gestanden hat. Das ist schön. Die positive Resonanz macht es einfach, ich hoffe, es bleibt so. Ich muss noch mindestens zehn Jahre am Ball bleiben.

ZEIT online: Ist eine neue Generation von Anhängern nachgewachsen, oder sehen Sie bei den Konzerten immer wieder die gleichen Leute?

Wader: Die meisten sind mit mir älter geworden. Bescheiden, aber bemerkbar, kommt junges Publikum nach. Das freut mich, denn ich habe ja nun keine besondere Botschaft an sie zu richten. Ich versuche ja nicht, einen der Jugend entsprechenden Ton zu finden. Im Gegensatz, das ist doch eher altmodisch, was ich mache. Immer noch der Mann mit der Gitarre, wie vor fünfzig Jahren. Oder vor tausend, wie Walther von der Vogelweide.

ZEIT online: Dem Publikum scheint das aber ja zu gefallen. Überraschen Sie sich selbst noch bei solchen Auftritten?

Wader: Wenn ich das viertelstündige Familienerbe fehlerlos hinbekomme, gebe ich mir einen aus. Als ich jung war, habe ich viel häufiger meine Texte vergessen. Aber das war die antiautoritäre Zeit, da habe ich gesagt, "Ihr könnt mich mal, ich kann meine eigenen Lieder so oft vergessen, wie ich will!" Wenn ich das heute sage, dann ist das senil. Deswegen ist der Ablauf auch ganz genau geplant, Änderungen sind mir ungelegen. Es gibt natürlich regionale Besonderheiten. Wenn ich im Emsland spiele, muss ich natürlich die "Moorsoldaten" singen, in Hameln muss ich den "Rattenfänger" spielen. Aber es kostet mich extra Arbeit.

ZEIT online: Ohne ganz bestimmte Klassiker lassen die Leute Sie nicht nach Hause gehen, oder?

Wader: Seit 35 Jahren beginne ich jedes meiner Konzerte mit Heute hier, morgen dort. Irgendwann hatte ich mal die Schnauze voll, da habe ich zwei Jahre lang Gut wieder hier zu sein als erstes gespielt. Länger habe ich das nicht durchhalten können, die Leute wollten das andere Lied hören. Ist ja auch schön. Heute spiele ich es wieder gern. Wahrscheinlich werde ich es bis an mein Lebensende jedem Konzert voranstellen.


Hannes Wader auf Tour:

15.03. Schönberg, Hotel Stadt Kiel
16.03. Oldenburg, Kulturetage
17.03. Werl, Stadthalle
18.03. Bochum, RuhrCongress
19.03. Wermelskirchen, Kattwinkelsche Fabrik
20.03. Kaiserslautern, Kammgarn
21.03. Dreieich, Bürgerhaus Sprendlingen
22.03. Neckarsulm, Ballei
23.03. Aalen, Festhalle Fachsenfeld
24.03. München, Gasteig/Orff-Saal
25.03. Regensburg, Kulturspeicher am Hafen
26.03. Augsburg, Spectrum
27.03. Erlangen, E-Werk

Das aktuelle Album „Mal angenommen“ ist erschienen bei Pläne .


Lesen Sie hier den Bericht von Waders Konzert in der Oldenburger Kulturetage.

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