Der Iraker Ghassan Attiyah war Politikprofessor an der Universität Bagdad und ist jetzt Visiting Professor für Politikwissenschaft und Internationale Beziehungen an der amerikanischen Universität Stanford. Er lebt in London. ZEIT online sprach mit ihm über die Chancen der Irak-Konferenz vom Samstag.

ZEIT online: In Bagdad findet eine internationale Konferenz statt, um über die Zukunft des Iraks zu beraten. Was kann man von diesem Treffen erwarten?

Ghassan Attiyah: Die Konferenz, an der neben den Nachbarländern Iraks auch die Mitglieder des UN-Sicherheitsrates teilnehmen, ist eine Proberunde für alle Parteien. Man will erst mal austesten, ob man überhaupt zu etwas Konkretem kommen kann. Das ist auch ein Grund dafür, warum dieses Treffen auf unterer und nicht Minister-Ebene stattfindet. Die wichtigste Botschaft besteht darin, dass die Konferenz überhaupt stattfindet und dass sich Iraner, Syrer und Amerikaner an einen Tisch zusammensetzen.

ZEIT online: Was wäre das beste Ergebnis, das bei dieser Konferenz herauskommen könnte?

Attiyah: Sehr gut wäre es, wenn die Konferenz zum Ausgangspunkt für eine Reihe von weiteren Treffen würde. Am Ende müsste dann eine internationale Konferenz von Regierungsmitgliedern stehen, die eine nachhaltige Lösung für den Irak suchen müssten.

ZEIT online: Deutet die Bagdad-Konferenz auf ein Umdenken auf Seiten der USA hin?

Attiyah: Ja, in der Tat. Die Amerikaner hatten allerdings bereits vor einem Jahr signalisiert, sie seien bereit, mit den Iranern zu sprechen, was die Iraner begrüßt hatten. Doch dann wollten die Amerikaner nicht mehr. Es gibt mehrere Erklärungen für ihre neue Haltung, nicht zuletzt die Veränderung der Machtverhältnisse in den USA selbst. Auch im Zuge des Hamilton-Baker-Reports zeigte sich die Notwendigkeit, mit Syrien und Iran zu sprechen.