Neulich in der Redaktion. Freudestrahlend erzähle ich, dass ich einen Kurzurlaub gebucht habe. Eine Woche Andalusien. Der Flug kostet bei Ryanair 150 Euro für die ganze Familie! Dafür kommen wir mit der Eisenbahn nicht mal nach München. Und die Reaktion? "Ökoschwein!"

Wer heute billig fliegt, ist ein CO 2 -Verbrecher. Das ist die Lage. Meine persönliche Konsequenz: Einmal um die Erde in acht Stunden mit einem CO 2 -Fußabdruck von läppischen 35,6 Kilo. Geht nicht? Aber ja! Mit der Bahn von Bremen nach Berlin und von 10 bis 18 Uhr ITB. Die Internationale Tourismusbörse ermöglicht eine ökologisch korrekte Weltreise für 13 Euro. Wer schnell genug ist, schafft 184 Länder. Und hat am Ende echte Indianer, indonesische Tempeltänzerinnen, afrikanische Speerträger und Männer mit kurzen Hosen gesehen – Bermudashortsträger aus Bermuda, klar doch.

Erste Station: Palästina. Zu gefährlich? Ach wo, sagt Omar Khatib, Chef von Mount Of Olives Tours Ltd., gar nicht. Er fährt Touristen seit Jahren mit dem Bus zu allen christlichen, jüdischen und islamischen Hot Spots in Israel und Palästina, Engländer, Franzosen, Italiener, Amerikaner. Nie ist was passiert. Nur die Deutschen sind Angsthasen, aber das soll sich jetzt ändern. Darum steht sein winziger Stand auf der ITB, übrigens direkt neben dem Riesenstand von Israel, woran man ja schon sehen kann, dass es auch friedlich geht. Gut, ein bisschen Security ist nötig, die Dichte der Männer in Schwarz mit Mikro hinterm Revers ist enorm, aber auch beruhigend. Wie im wirklichen Leben ist Israel auch hier von arabischen Ländern umgeben; könnte ja sein, dass nicht jeder Messebesucher ein friedlicher Reisender ist.

Ein paar Schritte sind es nur bis zum Iran. Wer jetzt an Uraniran und durchgeknallte Politiker denkt, muss umdenken. Um das Umdenken zu erleichtern, spricht man gern von "Persien". Ein Riesenstand ist das hier, türkiser Teppichboden, eine Siedlung aus lauter Buden. Friedliche Muselmänner sitzen in einer Bude, davor stehen die Schuhe, drinnen beten sie in eine Richtung, womöglich liegt da Mekka. Man stolpert über Figürchen und Irdenes, denn der Reisende soll bei Iran nicht an Atombomben, sondern archäologische Schätze denken. Oder an Ökotourismus. Außerdem kann man sich hier billig an Kopf und Gliedern operieren lassen. Iran setzt auf Medizintourismus.

Schon erreiche ich Indien, das "Partnerland der ITB 2007", das gleich eine ganze Halle gebucht hat. Vielleicht weil das Motto "Incredible !ndia " lautet, toben völlig übergeschnappte, aber sehr lustige und quietschbunt gekleidete Bollywood-Typen zum Schlag einer trommelfellzerreißenden Trommel durch die Gänge und sorgen für Stimmung. 150 Aussteller zeigen, was wir von Indien wissen sollen. Also dass Indien lustig und bunt ist, dass man sich hier die Hände anmalt und vor allem: Ayurveda. Auch so ein Megatrend. An jeder Ecke sitzen Leute, die mir die Finger kneten wollen. Oder Öl verschenken. Doch ich will ja die Welt sehen. Also weiter.

China. Eine aufgedonnerte Schönheitskönigin aus Hongkong will fotografiert werden. An den Ständen werden Geschenke verteilt, die sicher nicht zufällig an das Sortiment von Ein-Euro-Geschäften erinnern. China, sagt die ITB, ist der "erwachende Tourismus-Gigant". Der Tourismus wächst fast zweistellig pro Jahr, 2008 wird der Wahn ausbrechen, hofft man. Dann sind dort die olympischen Spiele, "die die Welt nicht vergessen wird" (Eigenwerbung).