Die Diskussion um emissionsarme Kohlekraftwerke verschärft sich. Wissenschaftler, Politiker und Kraftwerksbetreiber sind sich uneins darüber, ob der Traum von der nahezu klimaneutralen Kohleverbrennung wirtschaftlich und effizient zu realisieren ist. Dabei soll das klimaschädliche Kohlendioxid aus den Verbrennungsabgasen getrennt und unterirdisch gebunkert werden ( Carbon Capture and Sequestration – CCS).

In einem vom Bundesumweltministerium in Auftrag gegeben Gutachten zweifeln Fachleute aus vier renommierten Instituten daran, dass die umweltfreundliche Kohleverbrennung tatsächlich jemals wirtschaftlich betrieben werden kann. Zudem schreiben sie, die Technologie würde für die hierzulande schon angelaufene Erneuerung alter Kraftwerke zu spät kommen. Bis 2020, wenn die Technik erstmals einsetzbar sein könnte, haben die Energiekonzerne den Neubau neuer Meiler nach eigenen Angaben bereits abgeschlossen.

Überraschend widerspricht nun das Bundesumweltministerium öffentlich den Zweifeln der Wissenschaftler – und ZEIT online , der das Gutachten vorab vorlag .

ZEIT online bleibt bei der schon veröffentlichten Darstellung der Ergebnisse der Studie. Als Begründung dienen Zitate aus ebenjener Studie, die das Umweltministerium inzwischen auf seine Homepage gestellt hat . Hier einige Auszüge aus jenem Gutachten, welche die dargestellten Ergebnisse belegen:

Seite 22: Ökonomischer Vergleich von CCS und erneuerbaren Energietechnologien

„Aus heutiger Sicht kann davon ausgegangen werden, dass sich mit der Einführung von CCS viel früher eine Konkurrenzfähigkeit zwischen erneuerbaren Energien und der fossilen Stromerzeugung einstellen wird. Schon im Jahr 2020, dem Jahr der voraussichtlich frühesten kommerziellen Verfügbarkeit der CCS-Technologie, dürfte eine Reihe von erneuerbaren Energietechnologien zu vergleichbaren oder günstigeren Konditionen Strom anbieten können als dies über fossile Kraftwerke der Fall ist. Längerfristig ist zu erwarten, dass erneuerbare Energien wegen der Unabhängigkeit von Brennstoffpreisschwankungen erhebliche Vorteile haben.“

Seite 43

„Kann die Rückhaltung von CO2-Emissionen in fossil befeuerten Kraftwerken und ihre Sicherung erfolgreich demonstriert werden, so kann auf der Basis kommerziell einsatzfähiger CCS-Kraftwerke im Jahr 2020 von Stromgestehungskosten frei Kraftwerk zwischen 6,5 und 7 Cent je Kilowattstunde ausgegangen werden. Längerfristig zu erwartende Brennstoffpreissteigerungen lassen einen weiteren Anstieg auf Kosten zwischen 7 Cent je Kilowattstunde (Kohle) und 8 Cent je Kilowattstunde (Gas) bis 2040 wahrscheinlich werden. (...) Um 2050 (könnte) das Kostenniveau der Stromerzeugung aus regenerativen Energien in dem betrachteten charakteristischen Mix bei 6 Cent je Kilowattstunde liegen. Einzelne Technologien könnten Stromkosten von ca. 4 Cent je Kilowattstunde erreichen.“