Das ehemalige RAF-Mitglied Christian Klar darf offenbar nicht auf eine baldige Haftentlassung hoffen. Bundespräsident Horst Köhler schrieb in einem am Donnerstag bekannt gewordenen Brief an ein RAF-Opfer, dass die Entscheidung über das an ihn gerichtete Gnadengesuch Klars noch "geraume Zeit" in Anspruch nehmen werde.

In dem Brief vom 2. März, dessen Text die BILD -Zeitung veröffentlicht hat, schreibt Köhler, ihm seien "Leid und Schmerzen, die Sie wie andere Betroffene durch die Verbrechen der RAF erfahren haben und die Sie gegenwärtig durch die äußerst intensive Diskussion in der Öffentlichkeit einmal mehr durchleben müssen, sehr bewusst".

Die Adressatin des präsidialen Briefes, Beate Keller, war 1977 an Bord einer Lufthansa-Maschine nach Mogadischu entführt worden. Mit der Aktion sollten inhaftierte RAF-Mitglieder freigepresst werden. Keller hatte zuvor laut BILD brieflich an Köhler appelliert, Klar nicht vorzeitig frei zu lassen.

Klar hatte zuletzt mit einer antikapitalistischen Grußbotschaft vor allem in der Union massive Kritik ausgelöst. Der seit fast einem Vierteljahrhundert inhaftierte 54-Jährige hatte eine "Niederlage der Pläne des Kapitals" propagiert. Daraufhin schloss der baden-württembergische Justizminister Ulrich Goll Hafterleichterungen aus. Unionspolitiker forderten, Köhler solle das Gnadengesuch Klars ablehnen.

Das Ex-Mitglied der linksextremen RAF war wegen der Morde an Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer, an Generalbundesanwalt Siegfried Buback und an dem Bankier Jürgen Ponto zu fünf Mal lebenslanger Haft verurteilt worden. Ohne einen Gnadenakt Köhlers könnte Klar frühestens 2009 freikommen.

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