Die Schlacht ist geschlagen, die Rente mit 67 im Bundestag durch die Mehrheit der Stimmen von Union und SPD beschlossen. Ein Jahr lang wurde heftig diskutiert, nachdem Sozialminister Franz Müntefering (SPD) den Vorschlag, die Lebensarbeitszeit zu verlängern, überraschend durchs Kabinett geboxt hatte.

Vehement hatten Gewerkschaften und Sozialverbände in den vergangenen Tagen gegen die Pläne protestiert. Auch im Parlament wurde am Freitagvormittag nochmals mit Verve gestritten. So schön polemisch hatte man sich die abschließende Debatte gar nicht vorgestellt.

Geändert hat sie nichts - natürlich nicht. Längst war klar, wie es ausgehen würde: Von 2012 an wird das Rentenalter schrittweise bis 2029 von derzeit 65 auf 67 Jahre angehoben. Wer 1947 geboren wurde, muss nun einen Monat länger arbeiten, die 1948 Geborenen zwei Monate länger und so fort, bis der Jahrgang 1963 erreicht ist. Ab dann gilt die Altersgrenze von 67 Jahren.

Vor allem die Gewerkschaften, die Linkspartei und mancher linke Sozialdemokrat kritisieren, schon heute gebe es trotz des noch jungen Aufschwungs für ältere Arbeitnehmer kaum Jobs. Warum sie also dazu zwingen, noch länger von Hartz IV und ihrem Ersparten zu leben, bevor die Rentenkasse auszahlt?

Das tut ja niemand, entgegnen die Befürworter. Wer heute zur älteren Generation gehört, wird von der Regelung gar nicht oder nur marginal betroffen. Trotzdem beschloss der Bundestag am Freitag auch ein Konzept, mit dem ältere Arbeitnehmer gefördert und ihnen der Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtert werden soll. Was prinzipiell sinnvoll ist - nur im Zusammenhang mit der Erhöhung des Rentenalters, welche die derzeit Älteren eben kaum betrifft, verkommt die Anstrengung zur Augenwischerei.

Es fürchten sich also die Falschen. Und diejenigen, die es betrifft, die Jungen, bleiben merkwürdig stumm. Weil es noch so weit hin ist, bis sie dieses Alter überhaupt erreichen? Weil die Diskussionen um private Absicherungen in den vergangenen Jahren suggerierten, über die Rente nachzudenken, lohne sich ohnehin nicht - was nicht stimmt, weil sie immer noch die sicherste Altersvorsorge ist, die wir haben? Weil viele doch ganz gerne arbeiten; warum also nicht etwas länger?

Letzteres Argument allerdings ist Selbstbetrug. Auch im Alter aktiv sein und dafür Geld bekommen, mögen sich viele wünschen. Doch meistens nach den eigenen Bedingungen, mal hier, mal dort, in Teilzeit, nach Bedarf. Doch lässt sich ein Solidarsystem wie die Rente nicht nach dem Individualprinzip organisieren. Es kann nur heißen: Jeder muss länger arbeiten; notfalls mit den bekannten Ausnahmen für Schwerarbeiter und solche, die besonders lange einzahlten.